Das WHOOP

WHOOP Test | Mein t(r)eurer neuer 24/7 Coach am Handgelenk

Wearables teste ich schon seit vielen Jahren, mittlerweile schon seit Jahrzehnten, wenn ich richtig Zurückblick. Das WHOOP, ist ein Gadget, dass sich im Gegensatz zu (fast) all den anderen, welche ich bis jetzt getestet habe, nicht noch ein grösseres Display hat. Genauer genommen hat das WHOOP kein Display. Alle gesammelten Daten landen via Smartphone in der Cloud und können schlussendlich auch da, in der WHOOP eigenen App eingesehen und studiert werden.
Eigentlich, so hatte ich zumindest das Gefühl, war/ist das WHOOP-Gadget eher für richtige Sportler konzipiert, doch durfte mich etwas besseren belehren lassen. Mit dem kleinen Gadget habe ich einiges über meinen eigenen Körper lernen dürfen und das gefällt mir sehr gut.

Der erste Eindruck: Unauffällig, edel, anders

Vergesst bunte Displays, Benachrichtigungsfluten und Touchscreens. Das WHOOP Armband (in meinem Fall das aktuelle 4.0 Modell) kommt herrlich unspektakulär daher. Ein schlichtes, leichtes Band aus Stoff und ein kleiner Sensor. Beim Armband habe ich mich für das schlichte schwarz entschieden, es gäbe im Onlineshop noch so viele andere Farben im Angebot.

Das war's: Keine Knöpfe, kein Bildschirm. Anfangs mag das irritieren, aber genau hier liegt eine seiner grössten Stärken: Es ist immer da, liefert Daten im Hintergrund und lenkt nicht ab. Die Verarbeitung ist top, das Material angenehm auf der Haut, selbst beim Schlafen. Und das ist entscheidend, denn WHOOP will 24/7 an eurem Körper sein. Wenn es nach WHOOP geht, gar beim Sex und natürlich auch beim Masturbieren.

Mehr als nur Schritte zählen: Die Magie liegt in den Daten

Wenn man das WHOOP zum ersten Mal mit der App koppelt, öffnet sich eine neue Welt der Selbsterkenntnis. WHOOP zählt nicht einfach nur Schritte oder misst den Puls beim Training (obwohl es das natürlich auch tut). Die Kernkompetenz liegt in der Analyse von drei entscheidenden Säulen eurer Physiologie: Erholung (Recovery), Belastung (Strain) und Schlaf (Sleep).

Die Erholung

Der tägliche Readiness-Check: 
Jeden Morgen spuckt die App einen Erholungswert aus (in Prozent und farblich markiert: Grün für topfit, Gelb für eingeschränkt, Rot für dringend Ruhe nötig).

Dieser Wert basiert auf einer komplexen Analyse eurer Herzratenvariabilität (HRV), eurer Ruheherzfrequenz (RHR), Atemfrequenz und der Qualität eures Schlafs in der Nacht. Es ist faszinierend zu sehen, wie kleine Veränderungen im Lebensstil – sei es späte Mahlzeiten, ein Glas Wein zu viel oder Stress – den Wert beeinflussen können. Für mich war das ein absoluter Gamechanger.

Dass ich auf die Signale meines Körpers achte, das tue ich schon seit Jahren. Anders könnte ich mit meinen Schmerzen und den Nachwehen meiner beiden Autounfälle nicht handhaben. Aber ich habe gelernt, dass ein Training nicht immer ideal ist, vor allem wenn der Tag schon intensiv war und es besser ist, auf Regeneration umzustellen, etwas auszuspannen und es einfach mal ruhig angehen zu lassen. Quasi halt auch mal einfach die Füsse hoch lagern und nichts tun.

Die Belastung

Das objektive Mass für Anstrengung: 
WHOOP misst nicht nur die Intensität eures Trainings, sondern eure gesamte physiologische Belastung über den Tag – physisch und mental. Basierend auf der Herzfrequenz wird ein Belastungs Score von 0 bis 21 berechnet. Ob ein intensives Workout, ein stressiger Arbeitstag oder einfach nur viel auf den Beinen sein – WHOOP quantifiziert die Belastung.

Die App gibt dann eine Empfehlung, wie viel Belastung für euren aktuellen Erholungszustand optimal ist. Das hilft ungemein, Übertraining zu vermeiden und das Training intelligenter zu gestalten. Womit wir wieder beim Füsse hoch langer sind, ihr seht schon langsam aber sicher ist da ein Muster gegeben.

Der Schlaf

Der Schlüssel zur Regeneration:
WHOOPs Schlaftracking ist meiner Meinung nach eines der genausten auf dem Markt, das ich bisher getestet habe. Wenn ich mir die Werte meiner Apple Watch und die des WHOOP anschauen, dann liegen beide vielfach sehr eng nebeneinander.

Es unterscheidet präzise zwischen Wachphasen, Leichtschlaf, Tiefschlaf (SWS) und REM-Schlaf. Du bekommt detaillierte Einblicke in die Dauer und Effizienz des Schlafs, die Schlafenszeitkonsistenz und sogar, wie viel «Schuld» man sich durch zu wenig Schlaf aufbaut (Sleep Debt).

Die App berechnet basierend auf eurer Tagesbelastung und eurem Schlafbedarf die optimale Schlafzeit und gibt sogar Empfehlungen, wann ihr idealerweise ins Bett gehen solltet, um eure Erholung zu maximieren. Das hat meine Einstellung zum Schlaf komplett verändert – von einer Notwendigkeit zu einer Priorität. Gut, also ja, wenn ich darauf gehört habe. Vielfach hat die Arbeit, ein Text, oder ein Video das noch fertig geschnitten werden wollte mir einen stricht durch die Rechnung gemacht. In den letzten drei Jahren kam noch beruflicher Wandel, in den Bereich Gastro mit dazu, welcher es nicht wirklich einfach gemacht hat.

Die WHOOP-App: Das Gehirn hinter dem Band

Da das Armband selbst kein Display hat, ist die App das zentrale Element der WHOOP-Erfahrung. Und ich kann euch sagen: Sie ist richtiggehend gelungen. Übersichtlich gestaltet, intuitiv bedienbar und vollgepackt mit detaillierten Grafiken und Analysen. Die täglichen und wöchentlichen Übersichten sind Gold wert.

Besonders hervorzuheben ist die «Journal»-Funktion, in dem man verschiedene Verhaltensweisen (Alkohol, Koffein, Stressoren, etc.) protokollieren kann, um dann zu sehen, wie sich diese auf Schlaf, Erholung und Belastung auswirken. Das ermöglicht tiefe Einblicke in die eigenen Gewohnheiten und deren physiologische Konsequenzen.

Weitere Features, die überzeugen

Health Monitor:
Überwacht kontinuierlich wichtige Vitalparameter wie Atemfrequenz, Ruhepuls, HRV, Hauttemperatur und Blutsauerstoffsättigung und alarmiert bei signifikanten Abweichungen von eurer Baseline.

Strength Trainer: Eine Funktion, die speziell für Krafttraining entwickelt wurde und die Belastung durch Sätze und Wiederholungen besser erfasst als herkömmliche Tracker.

WHOOP Coach: Ein KI-gestützter Coach, der basierend auf euren Daten personalisierte Einblicke und Handlungsempfehlungen gibt. Spannend und hilfreich!

WHOOP - Ladepuck
WHOOP – Ladepuck

Lange Akkulaufzeit und innovatives Laden: Der Akku hält zuverlässig 4 bis 5 Tage. Und das Beste: Du musst das Armband zum Laden nicht abnehmen. Ein kleines, wasserdichtes Akkupacket kannst du einfach auf das Band schieben und schon lädt es unterwegs auf. Genial gelöst, auch wenn das Wearable dann richtig dick ist, was vor allem im Winter, bei einem Pullover nicht immer ganz so angenehm ist. Aber heh, dafür werden durchgehen Daten gesammelt, ohne auch nur einen einzigen Verlust.

Aber Achtung, wenn ihr mir dem Flugzeug fliegt, nehmt den Akku mit ins Handgepäck, mir wurde er nämlich einmal auf einem Flug nach London abgenommen und ich musste ihn dann mühsam wieder zurück holen.

Der Wermutstropfen: Das Abo-Modell

Kommen wir nun zu dem Punkt, der die anfängliche Begeisterung etwas dämpfen könnte – das Preismodell. Das WHOOP Armband selbst bekommt man nur im Rahmen einer Mitgliedschaft. Und diese Mitgliedschaft ist… sagen wir mal… nicht ganz günstig.

Aktueller Stand Mai 2023 lag der Preis bei etwas um die CHF 30.- pro Monat. Das ist natürlich ein Batzen Geld, du kannst aber sparen, indem du gleich ein Jahres-Abo oder gar 24 Monate abschliesst. Es gibt auch teurere Mitgliedschaften mit zusätzlichen Features (z.B. WHOOP Life mit EKG-Funktion in bestimmten Regionen).

Im Vergleich zu vielen anderen Fitnesstrackern oder Smartwatches, bei denen man das Gerät kauft und die App-Nutzung inklusive ist (oder nur geringe zusätzliche Kosten für Premium-Funktionen anfallen), ist das ein stolzer Preis. Man zahlt hier im Grunde nicht für die Hardware (die im Abo enthalten ist und bei Bedarf ausgetauscht wird), sondern für die fortlaufende Datenanalyse, die Plattform und die ständige Weiterentwicklung der Software und Features.

Das ist natürlich nicht unbedingt gedacht für jemanden der nur drauf schaut, täglich auf seine 10'000 Schritte zu kommen. Spannend wird es sicherlich dann, wenn WHOOP eine neue Hardware-Version rausbringt. Diese bekommst du nämlich dann, einfach ausgetauscht.

ABER (und das ist ein grosses Aber): Ist der Preis gerechtfertigt?

Nachdem ich WHOOP nun intensiv genutzt habe, tendiere ich persönlich zu einem Ja – aber mit Einschränkungen. Die Qualität der Daten, die Tiefe der Analysen und die daraus resultierenden personalisierten Einblicke sind meiner Erfahrung nach unübertroffen. WHOOP liefert nicht nur Rohdaten, sondern übersetzt sie in umsetzbare Erkenntnisse, die wirklich helfen, die eigene Physiologie besser zu verstehen und die Gesundheit sowie Leistungsfähigkeit zu optimieren.

Für ambitionierte Sportler, Fitness-Enthusiasten, Personen mit spezifischen Gesundheitszielen oder einfach jeden, der bereit ist, tiefer in seine Körperdaten einzutauchen und daraus Konsequenzen zu ziehen, kann der Wert, den WHOOP liefert, die Abo-Kosten durchaus aufwiegen. Die verbesserten Erholungsstrategien, das Vermeiden von Übertraining und die Optimierung des Schlafs können sich langfristig nicht nur in besserer Leistung, sondern auch in weniger Krankheitstagen und einem gesteigerten Wohlbefinden niederschlagen.

Man muss sich im Klaren sein: Man kauft mit WHOOP keinen einmaligen Gegenstand, sondern Zugang zu einem fortlaufenden Service, der permanent Daten analysiert und daraus lernt.

Fazit: Für wen lohnt sich das WHOOP?

Das WHOOP Armband ist zweifellos ein herausragendes Stück Technologie für die physiologische Überwachung. Die Präzision der Sensoren, die Tiefe der Datenanalyse und die Qualität der App sind beeindruckend. Es hat mir geholfen, meinen Körper auf einem neuen Level zu verstehen und meine Gewohnheiten gezielt zu verbessern.

Der hohe Preis der zwingend erforderlichen Mitgliedschaft ist der einzige wirkliche Haken. Er macht WHOOP zu einer Investition, die sich vor allem für diejenigen lohnt, die das volle Potenzial der Daten nutzen wollen, um ihre Leistung, Erholung und Gesundheit ernsthaft zu optimieren. Wenn ihr bereit seid, diesen Preis für tiefe physiologische Einblicke zu zahlen, werdet ihr von WHOOP begeistert sein. Wenn ihr nur einen einfachen Fitnesstracker sucht, gibt es günstigere Optionen.

Trotz des Abo-Preises, der sicherlich ein stolzer Wermutstropfen ist, bin ich persönlich überzeugt. WHOOP ist für mich zu einem unverzichtbaren Werkzeug geworden, das mir hilft, im Einklang mit meinem Körper zu leben und das Beste aus mir herauszuholen. Daher gibt es von mir eine klare Empfehlung – allerdings mit dem Hinweis, dass man die Abo-Kosten in seine Entscheidung einbeziehen muss.

In diesem Sinne: Bleibt neugierig, bleibt fit und testet Gadgets – aber hört dabei auch auf euren Körper! Euer begeisterter und erholter Gadget-Tester.

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