Apple AirPods

Apple AirPods

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Bluetooth Kopfhörer sind lange nichts Neues mehr. Auch völlig kabellose Ohrhörer – bedeutet das auch kein Kabel die beiden Ohren verbindet – sind ebenfalls nicht wirklich neu. Mit den AirPods stellte Apple im September also keine neue Lösung vor – doch für wirkliche Neuerungen war Apple bisher ja nie bekannt. Eher dafür erst dann den jeweiligen Markt zu betreten wenn sie auch Lösungen bieten können die dann wirklich einfach funktionieren. Ob Apple dies auch diesmal wieder geschafft hat?

Apple AirPods

Zugegeben, die AirPods sind jetzt bereits einige Zeit erhältlich. Zumindest mehr oder minder erhältlich. Nach einer Verschiebung kurz vor der geplanten Veröffentlichung wurden die AirPods überraschend doch noch knapp vor Weihnachten veröffentlicht – zumindest für die glücklichen ersten Vorbesteller. Die Lieferzeiten steigen rasant an und sind auch zum Zeitpunkt des Artikels immer noch in frühestens sechs Wochen lieferbar. Doch ich hatte – auch dank einiger Leser und Zuhörer des GeekTalk – Glück und wurde direkt am ersten Tag zuverlässg beliefert. Ebenso mein GeekTalk Kollege Achim, wir besprachen unseren Ersteindruck bereits in einer Sonderfolge, die ihr hier nachhören könnt.

Ich wollte mir aber absichtlich einige Zeit lassen um einen finalen Test abzugeben. Wer kennt das nicht? Ein neues Produkt, eine neue Technologie – da ist auch der geschulte Tester schnell einmal etwas überwältigt und sieht gerne über den einen oder anderen Nachteil gönnerhaft hinweg. Nachteile die nach der „Honeymoon“ Phase dann aber doch einfach nur nerven und letztlich ggf. Sogar zum Showstopper werden. Dementsprechend gab ich den AirPods 100 Tage Zeit und möchte nach dieser Zeit erst meinen Test verfassen.


Vorgeschichte

Zuerst aber einmal meine Vorgeschichte was das Thema Bluetooth Kopfhörer betrifft. Ich nutze seit über drei Jahren ausschließlich Bluetooth Kopfhörer. Für die Beschallung unterwegs, beim Sport und teilweise auch zu Hause. Seit einiger Zeit nutze ich auch Bluetooth Kopfhörer völlig ohne Kabel – vorne weg die Gear IconX von Samsung und ein sehr günstiges Modell von Sylabelle.

Bluetooth an sich kann einige Nachteile haben. Neben der Akku Problematik, die mir mittlerweile bei 6+ Stunden als gelöst erscheint, auch immer wieder auftretende Verbindungsprobleme. Auch hier sehe ich, seit der Einführung von neueren Bluetooth Standards, das Problem als gelöst an. Dies gilt aber ausdrücklich nur für Kopfhörer mit einem Verbindungskabel zwischen den beiden Ohren.

So sehr ich die Gear IconX von Samsung schätze, aufgrund der Mobilität, dem Pulsmesser und dem integrieren Speicher, als so unbrauchbar stellten sie sich nach einigen Wochen heraus. Der Akku hielt dort rund 1,5 Stunden – Ohne Pulsmesser. Mit Pulssensor, was beim Sport eine durchaus interessante und akkurate Idee zu sein schien, auch wohlwollend nur unter einer Stunde – eine Dauer die mir als Triatlet in keinster Weise reicht. Auch Hobbysportler stossen hier sicher schnell an ihre Grenzen – selbst bei nur einer Stunde Workout werden die Ohrhörer ja gerne schon vor dem Training entsprechend eingeschaltet und bleiben ggf. Auch nach dem Training noch etwas länger im Betrieb.

Zudem verlieren alle Modelle die ich bisher getestet habe oft die Verbindung – nicht zum Gerät sondern untereinander. Noch schlimmer: Die Verbindung läuft oft leicht zeitversetzt, was selbst nicht Schnitt-geschulte Podcaster schnell verrückt macht. Das Problem liegt hier bei der Konkurrenz bei der Verbindung an sich – ein Problem das unser heutiger Testkandidat, um endlich zu den AirPods zu kommen, völlig anders löst.


Lieferumfang

  • Apple AirPods
  • Ladecase mit magnetischem Verschluss und Lightning Anschluss
  • Lightning Ladekabel

Verarbeitung

Die Verarbeitungsqualität ist, wie bei Apple gewohnt und für den Preis erwartet werden darf, gewohnt hoch. Alle Teile sind aus weißem Plastik das letztlich gerne etwas griffiger sein könnte. Sofern das Plastik leicht feucht wird (beispielsweise durch Schweiss) werden die Kopfhörer sehr rutschig.

Der Magnet des Cases ist hingegen sehr vorbildlich, hier könnten sich einige andere Hersteller gerne ein Beispiel nehmen. Unabsichtliches Öffnen ist eigentlich unmöglich, in meinem Test hat sich das Case noch nie geöffnet und die AirPods gingen noch nie in einer (Hosen)Tasche verloren. Die AirPods selbst werden im Case ebenfalls magnetisch gehalten und sitzen ebenfalls sehr stramm. Bei den ersten Paar Nutzungen fällt es durchaus schwer die Kopfhörer aus dem Case zu entnehmen, doch die meisten Nutzer finden hier schnell einen für sie passenden Workflow. An dieser Stelle meine Vorgehensweise: Den Zeigefinger oben zwischen die beiden Ohrhörer legen und nach unten streichen. Damit werden beide AirPods angehoben und können dann einfach aus dem Case entfernt werden.


Design

Kaum ein Apple Produkt erhielt bereits bei der Vorstellung so viel Häme wie die AirPods. Bilder von Oral-B Zahnbürsten in Gehörgängen wurden sofort zum gängigen Internet-Meme, eine Kritik die ich von Haus aus nicht verstand. Apple blieb seiner Design Linie einfach treu. Nur wenige Produkte wie Apples Kopfhörer (beispielsweise die EarPods) besitzen einen derartigen hohen Wiedererkennungs- und Identifikationswert. Dieser Linie blieb Apple treu und entfernte simple die Kabel. Zugegeben: Ich war noch in ein Fan des Designs der Kopfhörer, nichts desto Trotz verstehe ich aber die Entscheidung von Apple.

In Realität ging die Designvorstellung von Apple auch auf. Lächerlich sehen die AirPods in keinster Weise aus. Angesprochen wurde ich auf die Ohrhörer öfter, aus Interesse der Passanten oder von Freunden, aber diese mussten immer mindestens zweimal hin sehen. Auf den ersten Blick sehen die Kopfhörer aus wie EarPods, erst beim zweiten Blick erkannten die meisten Beobachter, dass diese Kopfhörer kein Kabel mehr besitzen.


Technische Details

  • Grösse AirPods: 16,5 x 18 x 40,5 mm
  • Grösse Ladecase: 44,3 x 21,3 x 53,5 mm
  • Gewicht AirPod: 4 g
  • Gewicht Ladecase: 38 g
  • Akku: 398 mAh im Ladecase
  • Anschluss: Lightning Anschluss am Ladecase
  • Je Kopfhörer ein Mikrofon, ein Touch-Sensor und ein Annäherungssensor Apple W1 Chip

Handhabung

Gemeinsam mit den AirPods stellte Apple auch den neuen W1 Chip vor, der direkt von Apple entwickelt wurde. Er sollte einige bekannte Probleme von Bluetooth beheben – beispielsweise die oft komplexe Koppelung oder aber eine stabile Verbindung gewährleisten. Im Test funktionierte dies ausgesprochen gut, wenn auch nicht ganz Problemfrei.

Bei der ersten Koppelung mit einem der eigenen Geräte melden sich die Kopfhörer per Popup sofort. Ein Klick auf die Taste verbinden reicht und schon sind die Ohrhörer mit dem entsprechenden Gerät gekoppelt. Die Verbindungsinformationen werden anschließend via iCloud an andere Apple Geräte übertragen. So können die Kopfhörer jeder Zeit mit anderen iOS Geräten oder dem Mac verbunden werden, ohne eine erneute Koppelung vornehmen zu müssen. Auch die Reichweite der Kopfhörer ist deutlich besser als bei der Konkurrenz, wenngleich man sich auch bei W1 Kopfhörern keine wahren Wunder erwarten darf. Zur Koppelung mit anderen Geräten die nich von Apple stammen, oder älterer Hardware, gibt es auf der Rückseite des Cases einen kleinen Knopf. Wird dieser gedrückt können die Kopfhörer auch via Bluetooth gefunden und verbunden werden.

Technisch unterscheidet sich die Handhabung der AirPods deutlich von der Konkurrenz. Beide Kopfhörer kommunizieren direkt mit dem Gerät. Bei der Konkurrenz verbinden sich die Ohrhörer oft direkt untereinander und nur eine der beiden Seiten funkt letztlich dann auch zu dem Gerät. Diese kleine technische Meisterleistung, die angeblich auch der Grund für die Verzögerung war, bietet einige Vorteile. Einerseits kann so jeder Ohrhörer auch alleine genutzt werden, somit in Mono, zudem bietet zum Glück auch jeder Ohrhörer an sich das volle Spektrum an Funktionen. In jedem der beiden AirPods befindet sich ein Mikrofon und auch der Touch Sensor zur Steuerung.

Stichwort Steuerung – hier besitzen die AirPods der Konkurrenz gegenüber einen klaren Nachteil: Letztlich gibt es nur eine Funktion die per Doppeltab auf das äussere Gehäuse ausgelöst wird: Entweder Siri oder Play/Pause. Die Steuerung via Siri funktioniert dabei überraschend gut, dennoch empfinde ich mehrfache Doppeltaps mit gefolgtem „Lauter!“ In öffentlicher Umgebung nach wie vor eher als peinlich. Dementsprechend greife ich hier doch meistens auf das Gerät oder meine Apple Watch zurück. Ein praktischer Vorteil: Dank Annäherungssensor wissen die AirPods wann sie im Ohr sind und wann nicht. Damit startet bzw. Stoppt die Wiedergabe direkt beim Einsetzen oder Entfernen der Kopfhörer. Oft las und hörte ich die Kritik warum Apple hier nicht mehrere Bedienebenen eingeführt hat – nach einigen Monaten versteh ich diese Entscheidung aber. Ein einfacher Tap darf in diesem Fall keine Steuerung auslösen, da dieser einfach zu häufig passiert. Dreifach-Taps wären zwar eine Lösung, würde ich aber aufgrund der Umständlichkeit wahrscheinlich auch nicht nutzen. Siri direkt im Ohr zu haben ist für die grundlegende Verwendung von Siri nicht uninteressant, zur Steuerung von Medien bzw. Der Kopfhörer nutze ich es aber nur sehr sehr selten.

Die Bauform entspricht eigentlich exakt der der EarPods, der Halt ist aber dennoch ein wenig besser. Dies dürfte vor allem an dem fehlenden Kabel und dem damit reduzierten Zug liegen. Dennoch bleibt eines klar: Sofern euch EarPods bereits nicht passen werdet ihr auch mit den AirPods nicht glücklich werden. Ich bin ein leichter Grenzfall – Grundsätzlich sitzen die EarPods in meinen Ohren, aber nicht stabil bzw. Ausreichend fest. Die leichte Reduktion des Zuggewichts ist in meinem Fall offensichtlich Matchmaking gewesen, die AirPods sitzen deutlich besser als der kabelgebundenen Pendant.

Der Klang der AirPods ist nach wie vor nicht perfekt, reicht für meine Zwecke aber vollkommen aus. Insgesamt wirken die AirPods aber dennoch etwas basslastiger als die EarPods – aber immer noch bei weitem besser ausgewogen als andere Lösungen der Appletochter Beats. Schallisolierung bieten die Kopfhörer aufgrund ihrer Bauform traditionsgemäß eher wenig.

Eine wahre Sensation ist, für mich, die Akkulaufzeit. Eine Ladung der Kopfhörer reicht laut Apple für rund fünf Stunden, eine Zeit die ich insofern nachvollziehen kann. Im Case selbst befindet sich ein weiterer Akku, so können die AirPods auch ohne Kabel schnell unterwegs aufgeladen werden. Der Akku im Case reicht für weitere 24 Stunden. Besonders beeindruckend: Die AirPods laden sich extrem schnell auf. Nach nur 15 Minuten Ladezeit haben die kleinen Kopfhörer Strom für weitere 3 Stunden Wiedergabe getankt. In Realität wurden meine AirPods eigentlich noch nie wirklich leer, Apple hat das Problem der sehr begrenzten Akkulaufzeit insofern ideal gelöst als dass es einfach kein Problem mehr ist. Natürlich höre ich öfter auch länger als fünf Stunden Musik – doch selten am Stück. Ich denke jeder hat kurze Unterbrechungen bzw. Pausen in seinen Workflows wo die AirPods für wenige Minuten zurück ins Case können – und mehr Zeit benötigen die Kopfhörer zum Aufladen letztlich ja nicht. Jeden Abend kommen die AirPods dann, neben meinen anderen Apple Geräten, an das Ladekabel – und sind damit defakto immer voll. Natürlich kann man hier eine lange Diskussion über die tägliches Laden starten – für mich persönlich ist dies aber, als Besitzer eines iPhones und einer Apple Watch bei denen es mir genauso geht, absolut nichts neues und ein weiteres Gerät auch kein nennenswertes Problem.


Nachteile und Vergleich zur Konkurrenz

Bei all den Vorteilen gibt es aber ohne Frage auch ein paar Nachteile. Der erste Nachteil ist, aus meiner Sicht, die eigene Inkosequenz von Apple. So würde ich die AirPods gerne auch mit meinem AppleTV nutzen – schließlich unterstützt dieses ja auch Bluetooth Kopfhörer – hier funktioniert der Sync mit der iCloud aber nicht. So muss ich jedes mal die AirPods mit der Taste auf der Rückseite des Cases neu Paaren – obwohl es sich hier auch um ein Gerät von Apple mit Zugang zur iCloud handelt. Zuerst dachte ich noch Apple würde dieses Problem schnell erkennen und beheben – doch mittlerweile gab es bereits einige Updates für tvOS und diese Funktion wurde leider nicht nachgereicht.

Zum Anderen unterstützen die AirPods keine mehrfachen Verbindungen – ein praktisches Feature das einige Konkurrenzprodukte unterstützen. So ist es nicht möglich seine AirPods mit dem Mac und dem Telefon gleichzeitig zu verbinden und so trotz Musikwiedergabe auf dem Dekstop auch Anrufe von dem verbundenen Telefon entgegen zu nehmen. Zugegeben – Apple hat hier seine eigene Vorstellung von Networking und Telefonie – schließlich ist es möglich Anrufe direkt an andere iOS Gerte und den Mac weiter zu geben, dennoch sehe ich in der gleichzeitigen Koppelung einige Vorteile und vermisse diese etwas.

Auch erweiterte Features suchen wir bei den AirPods vergebens. Kein Pulsmesser, kein eigener Speicher – doch bei beiden Features denke ich nach wie vor dass diese keine gute Idee für derartige Geräte sind. Beides wirkt sich nachteilig auf den Akku aus, eine Erkenntnis die beispielsweise auch die Konkurrenz von Bragi bereits begriffe hat. So unterstütze bei der Firma aus München das erste Modell noch all diese Funktionen, bei dem zweiten, günstigeren Modell, wurde diese aber gestrichen. Nicht nur zu Gunsten des Preises – sondern auch deutlich zu Gunsten der Laufzeit.


Fazit

Bereits in der Sonderfolge des #GeekTalk zeigte ich mich äußerst begeistert – und auch nach 100 Tagen hat sich dies nicht geändert. Apple hat wieder jede Menge Gefühl für Technik bewiesen und stellen mit den AirPods, aus meiner Sicht, die ersten kabellosen Kopfhörer vor die wirklich funktionieren. Ohne Frage: Ab und an gibt es auch hier Verbindungsprobleme und Trotz W1 klappt die Koppelung nicht immer perfekt, dennoch ist die Technik in diesem Punkt der Konkurrenz deutlich voraus. Auch die Akkulaufzeit ist überzeugend, trotz des minimalistischem Design und dem geringen Gewicht.

Die AirPods bringen ein wenig das Gefühl von Zukunft mit sich. Vor allem wenn nur ein AirPod eingesetzt ist kann man diesen schnell einfach „vergessen“ und hat damit immer ein smartes Hearable mit Anbindung an einen Sprachassistenten direkt im Ohr. Wie schön wäre es wenn die Gegenstelle mich dann auch noch verstehen würde ,…! Sprachassistent bei Seite – trotz allem trage ich deutlich Kopfhörer aus früher und höre so defakto immer meine Podcasts. Für mich sind die AirPods DAS Apple Produkt des Jahres 2016 – und um dieser Aussage genügend Wertschätzung zu verleihen – ich habe 2016 ein iPad Pro inkl. Pencil, ein iPhone 7 Plus, eine Apple Watch Series 2 und ein MacBook Pro mit Touchbar gekauft ,…! Ohne Frage – der Preis mag für viele „nur für Kopfhörer“ sehr hoch erscheinen, sofern hier aber der Vergleich zu der anderen kabellosen Konkurrenz gesucht wird sind die AirPods überraschender Weise sogar das preiswerteste Produkt dieser Kategorie. Der Preis liegt bei 179 Euro

Insofern kann ich abschließend den AirPods, auch nach 100 Tagen Tests, nur eines vorwerfen: Die Liefersituation, da ich gerne mehr Leute sehen würde die sich an den smarten Kopfhörern erfreuen.

 

Jan Gruber Podcaster, Blogger, Gamer, Switcher, Sportler - Unser Geek aus Wien

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