Apple MacBook Pro 13 TouchBar Header

MacBook Pro Touchbar 13 Zoll Testbericht

Bei Apple hiess es Ende Oktober 2016 «Hello Again» – wieder einmal. Bereits 1998 stellte Steve Jobs unter diesem Motto den iMac vor. Dementsprechend hoch waren die Erwartungen an das Event. An neuen Macs gab es letztlich dann «nur» das MacBook Pro und mit der Touch Bar eine neue Eingabemethode. Wir möchten beides für Euch testen.

MacBook mit Touchbar

Vorne weg möchte ich festhalten, dass ich mich in diesem Artikel zu zwei Dingen nicht weiter äussern werde: einerseits zur generellen Lage von Apple im Bereich «Pro» und andererseits zur Modellpolitik beziehungsweise der preislichen Gestaltung der neuen MacBook Pros. Ohne Frage, beide Punkte wären (mehr als) diskutabel, haben aber letztlich absolut nichts mit der neuen Hardware oder der Touchbar zu tun. Oft in den letzten Wochen hatte ich das Gefühl, dass Testurteile rund um das neue MacBook Pro durch derartige Nebenschauplätze negativ beeinflusst wurden – und das zu Unrecht. Insofern möchte ich in diesem Test ausschliesslich das Gerät an sich – und ein wenig die neue Touchbar, beurteilen und keine allgemeine Bewertung vornehmen.

Bei dem vorgestellten MacBook Pro bietet Apple letztlich eine völlige Überarbeitung an. Alles hat sich geändert und kein Stein blieb auf dem anderen. Eben einem schwächeren Modell mit den üblichen Funktionstasten, das nur in 13 Zoll Bildschirmdiagonale zur Verfügung steht, gibt es auch Modelle mit 13 und 15 Zoll, die statt der Funktionsleiste die neue Touchbar bieten. Dabei handelt es sich um eine Touchleiste, die, kontextsensitiv, unterschiedliche Symbole und Steuerungssymbole einblendet. Teil der Touchbar ist auch der TouchID Sensor, den wir bereits aus unterschiedlichen iOS Geräten kennen.

Damit kann auch das MacBook Pro künftig ohne Passwort entsperrt werden. Zudem wird der Sensor für Online-Einkäufe und zum Ersatz des Admin-Passworts verwendet. Der TouchID Sensor wird von dem neuen Apple T1 Sensor betrieben, ebenso wie die Touchbar. Dementsprechend gibt es den Fingerprint Reader leider nur in den Modellen mit Touchbar.

Ich hab mich aus diversen Gründen für ein 13 Zoll Modell mit Touch Bar in SpaceGrey entschieden. In Sachen Upgrades im Vergleich zur Basiskonfiguration griff ich nur zu den 16 GB Arbeitsspeicher. In diesem Artikel möchte ich, sofern es Unterschiede gibt, auch die 15 Zoll Modelle entsprechend erwähnen – zudem haben wir in einer Sonderfolge des #GeekTalk das MacBook Pro 2016 inkl. Touchbar ebenfalls besprochen.


Lieferumfang

  • MacBook Pro
  • 61 W USB-C Power Adapter
  • USB-C Ladekabel (2 Meter)

Verarbeitung

Hier gibt es, wie gewohnt bei Apple, wenig Raum für Kritik. Das Gerät ist gewohnt hochwertig verarbeitet und rein aus Aluminium gefertigt. Auch die neue Touchbar integriert sich gut oberhalb der Tastatur. Wie alle Touchscreens ist es leider ziemlich anfällig auf Fingerabdrücke.

Design

Das MacBook Pro erhielt ein komplettes Redesign. Zwar sind die Ursprünge des Geräts noch erkennbar, dennoch hat sich einiges verändert. Vorne weg natürlich die Farbe: Neben dem klassischen Silber wird jetzt auch eine Variante in Space Grey angeboten. Auch bei Macs eigentlich nichts Neues – diese Variante gibt es bereits seit dem 12 Zoll MacBook, eine goldene oder rosegoldene Variante wie bei dem kleineren Bruder gibt es bei den neuen MacBook Pro aber nicht.

Die beeindruckendste Veränderung liegt aber klar bei den Abmessungen. Das alte MacBook Pro 13 mit Retina Display mass 31,4 x 21,9 x 1,8 cm bei einem Gewicht von 1,58 kg. Das redesignte MacBook Pro 2016 besitzt Abmessungen von 30,41 x 21,24 x 1,49 bei 1,37 kg. Ähnliche Entwicklungen gab es bei dem MacBook Pro 15 Zoll. Was hier, rein von den Zahlen her, nach einer eher geringen Verbesserung klingt, ist in Realität ein grosser Unterschied.

Ein Vergleich, der den Unterschied deutlicher macht: Das neue MacBook Pro 13 Zoll mit Touchbar ist damit in jeder Abmessung kleiner als das MacBook Air und wiegt nur 0,02 kg mehr. Damit erklärt sich auch Apples Entscheidung, das MacBook Air mehr oder minder abzusägen – rein aus Grössen / Gewichtsperspektive erscheint dieses Modell nicht mehr sinnvoll. Es wird im Laufe der nächsten Jahre wahrscheinlich durch das günstigere MacBook Pro 13 Zoll ohne Touch Bar ersetzt werden.

Wie bereits mehrfach angesprochen – Anstatt einer Funktionsleiste bieten ausgewählte 13 Zoll Modelle und alle 15 Zoll Modelle die neue Touchbar. Eine Variante ohne Touchbar gibt es nur bei dem kleineren Modell.

In Sachen Anschlüsse gibt es einen kompletten Kahlschlag. Durch die Bank bietet Apple nur noch 2 (MacBook Pro 13 ohne Touchbar) bis 4 (alle Modelle mit Touchbar) Thunderbolt 3 Anschlüsse mit USB-C Schnittstelle. Zudem gibt es – etwas überraschend – einen Kopfhöreranschluss.

In Sachen Display gibt es nur Änderungen im Detail. Die Auflösung blieb gleich, doch das Display wurde heller und bietet jetzt den erweiterten P3 Farbraum, ein Spektrum, das wir bereits aus dem kleineren iPad Pro und dem iPhone 7 kennen. Eine dezidierte Grafikkarte gibt es, nach wie vor, nur bei dem grösseren Modell mit 15 Zoll. Bei den Prozessoren gibt es gewohnte Kost – 2 Kerner für das 13 Zoll Modell, 4 Kerner für das 15 Zoll Modell. Leider griff Apple auf die etwas veraltete Skylake Architektur zurück. Bei dem Arbeitsspeicher können bis zu 16 GB DDR3 Speicher verbaut werden, die SSD ist bis zu einer Grösse von einem TB erhältlich. Änderungen gab es auch bei den Boxen – diese sollen 58 % mehr Lautstärke, 2,5x lauteren Bass und einen 2x grösseren Dynamikbereich bieten.

Grosse Änderungen, im wahrsten Sinne des Wortes, gab es auch bei dem Touchpad, es ist bis zu 2x grösser im Vergleich zu den Vorgängern. Zudem wurde auch die Tastatur verändert – hier werden die neuen Butterfly Switches der zweiten Generation verbaut – mit allen Vor- und Nachteilen. Die Switches an sich kennen wir bereits aus dem MacBook und bestechen vor allem durch deutlich niedrigere Tasten.

Auch wenn die neuen MacBook Pro Modelle auf den ersten Blick ihren Vorgängern sehr ähnlich sehen, so hat sich sowohl beim grundlegenden Design als auch unter der Haube jede Menge getan.


Technische Details

  • Prozessor: Ab 2,0 GHz i5 Dual Core bis zu optional 3,3 GHz i7 Dual Core
  • Festplatte: Ab 256 GB SSD bis zu optional 1 TB GB SSD
  • RAM: Ab 8 GB bis zu optional 16 GB
  • Grafik: Intel Iris 540 bis Intel Iris 550
  • Anschlüsse: 2 – 4 Thunderbolt 3 mit USB-C-Anschluss, Kopfhöreranschluss
  • Sonstiges: WLAN, Bluetooth, 720p FaceTime HD Kamera Wahlweise mit Touchbar und TouchID

Die Touch Bar

Mit der Touchbar hat sich Apple ein neues Bedienkonzept einfallen lassen, das weitgehend in Sachen Eingabe optional bleibt. Grundsätzlich handelt es sich dabei um ein schmales, breites Touchdisplay, das die Funktionstasten auf dem Notebook ersetzt. Lediglich der Knopf zum Einschalten ist noch in physischer Knopf, in diesem ist auch der TouchID Sensor verbaut.

Der Touchscreen selbst wechselt je nach Kontext, automatisch, seine Funktionsweise, jede App kann unterschiedliche Buttons und Funktionsweise anbieten. Ein ggf. kleiner Nachteil wird damit auch klar: Es ist nicht möglich eigene Anzeigeelemente, wie Statusanzeigen via Programme wie iStat Menüs oder Andere, dauerhaft auf der Leiste einzublenden. Lediglich ein paar Elemente zur Steuerung von macOS werden dauerhaft eingeblendet, dieser Funktionsbereich ist aber grösstenteils nur von Apple Programmen nutzbar. Zwar gibt es mittlerweile einige kleine Helfer, die sich auch in diesen rechten Bereich des Menüs andocken, wirklich gleichwertig in Sachen Funktion werden diese aber nicht behandelt.

Die Einstellungsmöglichkeiten der neuen Eingabemethode sind sehr vielfältig. Seitens des Systems ist es möglich den rechten Bereich, in dem die permanenten macOS Controls verfügbar sind, zu vergrössern. Zudem ist es möglich, alle neuen Funktionen völlig auszublenden und die alten Funktionstasten permanent einzublenden. Je nach Kontext kann jede App den herkömmlichen Funktionsbereich unterschiedlich belegen, die jeweilige App im Vordergrund belegt damit automatisch diesen Bereich.

Sinn und Unsinn der Touchbar fällt, meinem Empfinden nach, mit der jeweiligen App bzw. der Unterstützung seitens Drittentwickler. Apple selbst legt natürlich beeindruckend vor und gibt sich in den systemeigenen Apps grosse Mühe die Touchbar beeindruckend zu implementieren. Das klappt, meiner Meinung nach, auch sehr gut. In Fotos wird der komplette Fotostream in einer eigenen Leiste angezeigt, in Safari werden alle Tabs einzeln angezeigt und in Pro Anwendungen wie Final Cut oder Logic gibt es viele beeindruckende und grösstenteils nützliche Features.

ede App ist obendrein in der Lage, die Funktion der Eingabeleiste zusätzlich anzupassen, von Pro Anwendungen bis hin zu so simplen Anwendungen wie dem Finder. Bei Apps von Drittanbietern zeigt sich nach einigen Wochen jetzt Besserung – trotz der geringen Verbreitung des neuen Eingabeelements gibt es einige Apps, die hier dennoch eine Unterstützung integrieren. Diese ist zwar oft deutlich rudimentärer als jene von Apple, aber meist dennoch, auf die eine oder andere Art, nützlich.

Ein Punkt gefällt mir jedoch besonders gut – und dieser war mir nicht direkt bei der Keynote klar: Oft ermöglicht die Touchbar Änderungen / Eingaben „in der zweiten Ebene“ von Dialogen, ohne diese öffnen zu müssen. Ein Beispiel: Sofern ich den Kalender eines Termins (beispielsweise von privat auf beruflich) ändern möchte, musste ich bisher den Termin öffnen und anschliessend den Kalender ändern. Jetzt reicht es den Termin einmal anzuwählen, die Änderung des Kalenders ist direkt über die neue Eingabeleiste möglich.

Eine Kritik bleibt berechtigt: Eine physische ESC-Taste gibt es nicht mehr. Einen kleinen Workaround bietet Apple seitens macOS seit der Einführung aber: ESC kann auf eine andere Taste gelegt werden. Eine Funktion, die mir sehr entgegenkam und ich bereits seit Jahren so löste – mit Hilfe von Karabiner legte ich mir die ESC Taste immer schon auf die (meiner Meinung nach sonst unnötige und vor allem viel zu grosse) Caps Lock Taste.

Technisch ist die Touchbar durchwegs beeindruckend. Das Display löst überraschend hoch auf und bietet auch angenehme Farben. Der Kontrast kann nicht selbst geregelt werden, dennoch hatte ich hier nie Probleme mit der Lesbarkeit. Die Leiste wird durch den neuen T1 Chip betrieben, im Endeffekt dürfte es sich um einen leicht modifizierten Apple Watch Prozessor handeln. Interessantes Detail: Damit findet, ohne viel Aufsehens, auch der erste grössere ARM-Chip seinen Platz in einem MacBook. Dieser Chip übernimmt auch die Steuerung des TouchID Sensors und bietet damit, genauso wie bei iOS Geräten, eine Secure Enclave in der Fingerabdruck besonders sicher abgelegt ist.


Persönlicher Anwendungsfall

Bisher nutzte ich grösstenteils zwei Notebooks von Apple. In der Regel ein MacBook Pro mit 15 Zoll für den Fall, das ich Leistung benötigte sowie ein MacBook Air und später MacBook für mobiles arbeiten. Stand-PC besitze ich selbst seit Jahren keinen mehr, ich geniesse die Vorteile der Tragbarkeit des MacBook Pro 15, so kann ich auch zu Hause den Ort der Arbeit frei wählen, ohne (allzu sehr) auf Leistung verzichten zu müssen. Trotz allem war mir das Gert immer zu schwer, um es jeden Tag in meinem Rucksack mit tragen zu wollen. Unterwegs benötige ich selten die volle Leistung eines MacBooks – auch wenn es schön wäre sie zur Verfügung zu haben – hier ist mir Mobilität deutlich wichtiger.

Das neue MacBook Pro 13 Zoll sollte für mich aber beide Anwendungsfälle abstecken. Die Mobilität liegt auf dem Niveau eines MacBook Air 13 Zoll, bzw. ist vernachlässigbar besser, bietet auf der anderen Seite aber deutlich mehr Leistung.

Nach einigen Wochen, kann ich sagen: Diesen Anspruch konnte das Gerät komplett erfüllen. Letztlich besitze ich – als Journalist, als Podcaster, als Coder – nur noch ein Notebook, das für alle Anwendungsfälle geeignet ist, ohne allzu grosse Kompromisse. Ohne Frage – ich bin auch Gamer – aber mal ehrlich: Hier sind Rechner von Apple – egal ob mobil oder stationär – aus meiner Sicht nicht erst zu nehmen. Dieser Anwendungsfall werde ich auf absehbare Zeit so nicht erfüllen können.

Der Umstieg auf Thunderbolt 3 mit USB-C-Anschluss ist für mich eine grosse Bereicherung. Die Anschlüsse bieten eine hohe Bandbreite und ich kann mit Mutti-Adaptern viel Peripherie mit nur einem Kabel anbinden. In meinem privaten Büro nutze ich eine Dockingstation und verbinde mit so viel Peripherie besonders simpel. Sogar das Aufladen des Geräts erfolgt so ohne ein weiteres Kabel. Stichwort Strom: Hier ist USB-C für mich die wichtigste Evolution. Das neue MacBook kann einerseits via Powerbank auch mobil aufgeladen werden, auf der anderen Seite sind «Netzteile» damit wesentlich verbreiteter. Ohne Probleme kann ich im Auto, als Beifahrer, auf dem Gert arbeiten und es direkt über ein USB-C Kabel vom Zigarettenanzünder aus aufladen. Eine Möglichkeit, die sich nur mit USB-C bietet.


Fazit

Das neue MacBook Pro ist ein gelungener, radikaler, Evolutionsschritt innerhalb der langen Reihe an MacBook Pro Modellen innerhalb der letzten zehn Jahre. Technisch gibt es durchaus einigen Raum für kleine Kritiken – wie die etwas veraltete Prozessorarchitektur oder die maximal 16 GB RAM, dennoch begrüsse ich die Weiterentwicklung der Modellreihe und empfinde sie als positiv.

Die Touchbar scheint Apples Antwort auf Touchscreen Notebooks / Convertibles im Windows Bereich zu sein. Ob sich diese Eingabemethode durchsetzt, bleibt abzuwarten, sie bietet gleichermassen Vor- und Nachteile gegenüber der Lösung von Windows Geräten, und steht und fällt durch zwei Details. Einerseits wird Apple bemüht sein müssen, die Touchbar schnell in alle möglichen Geräte zu bringen – sowie eine hauseigene Tastatur – andererseits wird Entwickler die Integration dieses Features in die jeweiligen Programme (nicht nur durch Punkt 1) schmackhaft gemacht werden müssen.

Der radikale Cut auf Thunderbolt 3 mit USB-C Schnittstelle ist anfangs durchaus schmerzlich, bietet aber auch in der Übergangszeit schon einige spürbare Vorteile. Mit dem MacBook Pro 13 Zoll bietet Apple aktuell genau das Gerät an, das ich wollte / brauchte, insofern bin ich sehr zufrieden. Unbenommen dessen verstehe ich aber, dass einerseits der Preis für viele ein Showstopper sein wird, andererseits verstehe ich auch die Klagen all jener dessen Anwendungsfall aktuell von Apple nicht mit aktueller Hardware erfüllt wird.

 

1 Kommentar zu „MacBook Pro Touchbar 13 Zoll Testbericht“

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