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The Legend of Zelda: Breath of the Wild

The Legend of Zelda: Breath of the Wild

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Nintendo lies mit der Präsentation der Nintendo Switch gleich doppelt die Katze aus dem Sack – abgesehen von der neuen Konsole wurde nämlich auch ein neues Zelda angekündigt. Das Warten auf der Wii U war vergebens, dafür erhalten wir das beliebte Nintendo RPG jetzt direkt zum Start auf der Nintendo Switch. Der Reihe steht die größte Änderung in ihrer Geschichte bevor.

The Legend of Zelda: Breath of the Wild

Zelda, das Abenteuer rund um die Prinzessin und den Helden Link, begeistert Generationen seit mittlerweile über 30 Jahren. Ich selbst bin großer Fan und möchte sagen, dass mich keine andere Videospielreihe derartig geprägt und begleitet hat wie diese. Das geht so weit, dass Zelda für mich DER Systemseller schlechthin ist. Bei der Vorstellung der Switch überlegte ich noch ruhig, ob ich diese Konsole haben möchte – und wenn ja zum Start. Bei der Vorstellung von <> war die Entscheidung gefallen – die Konsole inkl. Spiel landete am 03.03. bei mir.

Drei Monate gingen ins Land und selten fiel es mir so schwer einen Testbericht zu verfassen, gar schlimmer: Nie war ich so indifferent. Müsste ich eine Wertung von eins bis zehn abgeben wäre, je nach Blickwinkel, eine eins bis zehn möglich. In meiner Brust schlagen drei Herzen und drei Sichtweisen, ich habe mich dazu entschieden alle einzeln nieder zu schreiben. Eines vorne weg: Dem grossen Jubelsturm der Tester und Fachpresse kann und werde ich mich, bei bestem Willen und der Achtung der Tradition der Reihe, nicht anschliessen.

Grundlegendes

Aber beginnen wir ganz am Anfang und kommen zu den Eckdaten an sich. In Punkt Story erwacht Link in einer Höhle, nach dem Tutorial betritt der ein sehr zerstörtes und lebloses Hyrule. Er trifft einen mysteriösen Wanderer und absolviert in einem abgegrenzten Gebiet seine ersten Aufgaben, diese sind quasi die erweiterte Einführung. Dann kommt es wie es kommen musste: Wir erfahren was aus der Prinzessin Zelda wurde: Sie liegt im Koma, gefangen von dem bösen Drachen Gannon. Die Geschichte wiederholt sich also erneut.

Während sich bei der Story vergleichsweise wenig getan hat, hat sich sonst das komplette Spielprinzip verändert. Die alten Zelda Teile waren in der Regel sehr linear und dominiert von grossen Dungeonrätseln. Jetzt bekommt der Spieler eine grosse, offene Spielwelt geboten. Neben der sehr offenen Gestaltung gibt es zusätzlich Ausrüstung die durch Gebrauch zerstört wird und auch die Notwendigkeit zu Kochen – einerseits um sich zu ernähren, andererseits um besondere Effekte wie Kälteresistenz auszulösen. Zudem kommt ein komplexes Craftingsystem. Das erste mal muss ich als Link eine Axt ausrüsten, um einen Baum zu fällen und anschliessend Feuer machen zu können.

Auch grafisch gab es einen massiven Sprung nach vorne – Die Welt präsentiert sich völlig in 3D, alles ist sehr farbenfroh wenngleich sich der Eindruck eines leicht trüben Schleiers der über der Welt liegt auch nach vielen Stunden Spielzeit nicht ganz aufgelöst hat. Dem Spieler stehen sehr viele Interaktionsmöglichkeiten, Waffen und Fähigkeiten zur Verfügung – diese hat Nintendo gewohnt perfekt auf die Tasten der Nintendo Switch angepasst. Generell dürfte das Spiel, trotzdem es auch auf der Wii U zur Verfügung steht, für die Switch konzipiert worden zu sein, einige Spielelemente wie der Stein bestärken mich dabei. So erhalten wir ein magisches Tablet das uns weitere Informationen gibt – und Oh Wunder – es sieht aus wie eine Switch.

Beim Umfang gibt es quasi keine Grenzen. Die scheinbar recht leblose Welt bietet viel zu entdecken, Nintendo schafft es in seinem Erstling in Sachen Open World extrem gut den Spieler zu beschäftigen. Nur die fokusiertesten Spieler werden es schaffen tatsächlich von A nach B zu kommen ohne dazwischen etwas zu entdecken und einer Nebenaufgabe nach zu gehen.

Trotz all des Lobs muss aber eines klar sein: All diese Superlative gelten in dem kleinen, isolierten, Kosmos der Nintendo Switch – Kunstwerk hier als erstes Spiel auch das Beste zu sein – bzw. im Umfeld von Nintendo und Zelda. Hier werden neue Maßstäbe gesetzt – in jeder Hinsicht – Dennoch gibt es wenig neues für den Spieler oder die Branche an sich, wenn man von den Möglichkeiten der Switch absieht.

Zelda als Beginn einer neuen Generation

Blicken wir als neuer Käufer einer Switch auf das neue «Breath of the Wild» so kann unverholen gesagt werden das es sich um einen perfekten Auftakt handelt. Das Spiel ist technisch grösstenteils ohne Fehl und Tadel umgesetzt und spielt die Potentiale der Konsole voll aus. Gedockt am TV Gerät sieht Zelda ausreichend gut aus, die Begeisterung tritt spätestens dann ein, wenn auch auf dem Weg in die Arbeit noch weiter gespielt werden kann und das komplette Erlebnis auch mobil ist. Auch unterwegs sieht der Titel wirklich gut aus – meiner Meinung nach sogar besser. Zwar sinkt die Auflösung, dafür ist das Display auch erheblich kleiner, in diesem Sinne steigt die Schärfe aus meiner Sicht im mobilen Modus. Das führte letztlich dazu, dass ich auch zu Hause lieber mobil spielte als die Konsole andockte – was ich persönlich eher als Lob sehe.

Die Steuerung funktioniert auch mit den Joy-Cons ideal, trotzdem ich einen Pro-Controller direkt mit der Konsole mitbestellt habe hatte ich noch nicht das Bedürfnis diesen auch für Zelda zu nutzen. Letztlich liegt dies aber sicher an meiner ganz speziellen Nutzungssituation. Angedockt am TV Gerät empfinde ich immer den Pro-Controller als überlegen, was simpel am wirklich schlecht umgesetzen Joy-Con-Grip liegt. Aus dieser Sicht heraus ist Zelda wirklich ein Meisterwerk, es ist absolut begeistert was auf einem eigentlich sehr schwachen System auch wirklich möglich ist.

Aus der Sicht des grossen Kindes bzw. Serienfans

Wie bereits dargestellt – ich bin mit Zelda quasi aufgewachsen. Einer ganzen Generation ergeht es so, und Nintendo verstand es über 30 Jahre sehr gut Zelda auch mit den Spielern gemeinsam aufwachsen zu lassen. Zelda adressiert meiner Meinung nach nicht mehr die gleiche Zielgruppe in Sachen Alter, vielmehr wurde versucht sich mit den alten Fans mit zu bewegen. Ein Vergleich: Pokemon hat sich über all die Jahre, mit Ausnahme von Pokemon Go, kaum verändert. Nach wie vor richtet sich das Spiel an Kinder bis Jugendliche. Pokemon bin ich eindeutig entwachsen, Link hingegen wurde in jeder Hinsicht mit mir gemeinsam (halbwegs) erwachsen.

Und vor allem aus dieser Sicht hat mich «Breath of the Wild» etwas verwirrt zurück gelassen. Zelda war nie ein Open World Spiel, Nintendo war Grafik nie wichtig. Ob es ein Nachteil ist, dass es jetzt anders ist? Zum Teil wahrscheinlich ja – denn Zelda verliert viel an Einzigartigkeit und muss sich damit sehenden Auges einer grösseren Konkurrenz stellen – doch mehr dazu im nächsten Punkt. Auf der anderen Seite bleibt für mich die Frage was Zelda eigentlich ausmacht und ob die Macher selbst ihr Erbe verstanden haben.

Um es kurz zu machen – ich schätze die Open World, doch Aspekte wie Crafting nerven mich durchwegs. Ein Großteil meiner Zeit im Spiel ist reine Arbeit – ich kann mich nicht dem Abenteuer widmen sondern muss mich viel mehr dem reinen Überleben widmen. Survival Stimmung kommt dennoch keine auf, vielmehr bleibt permanent das Gefühl von (schlecht umgesetzter) Beschäftigungstherapie hängen. Ähnlich verhält es sich mit den Waffen, die neuerdings abgenutzt werden. Die Waffen zerfallen sehr sehr schnell – und jeder Tester der behauptet er habe nie während eines Kampfes, als im spannendsten Moment die Waffe zerbröselte, heftig geflucht lügt meiner Meinung nach. Ähnlich verhält es sich mit den Schreinen. Breath of the Wild bietet sehr viele kleine Rätsel sehr unterschiedlichen Schwierigkeitsgrades. Die grossen Dungeons mit anschliessend spielverändernden Belohnungen fehlen. Dies war für mich immer ein essentielles Alleinstellungsmerkmal der Serie. Dieses System war auch eine erhebliche Motivation und Belohnungsmechanik – Aspekte die durch die neue Entwicklung fast komplett verloren gingen. Aus dieser Sicht war «Breath of the Wild» für mich einer der schlechteren Serienteile, meine Angst vor dem quasi Reboot mehr als berechtigt. Dennoch bin ich relativ zuversichtlich – Nintendo wird auf diesem Kurs bleiben – wird aber auch seinem Erstling gelernt haben.

Im Hinblick auf die Konkurrenz

Wie bereits dargestellt – Zelda ist isoliert betrachtet ein wirklich guter Titel – doch die isolierte Betrachtung die generell statt findet empfinde ich als unfair. Im Segment der Rollenspiele gibt es einige starte Konkurrenten. Zelda musste sich, meiner Meinung nach zu Recht, bisher nich damit messen – da die Art des Spiels sich deutlich von allen Anderen abhob. Wollte ich ein Spiel mit großen Dungeons und diese Rätseln spielen musste ich zu Zelda greifen. Bei Open-World inkl. Crafting sieht es deutlich anders aus. Meine erste Idee wäre da das sensationelle «Skyrim», ein Spiel aus der Eldar Scrolls Reihe, das Bethesda (leider) seit Jahren ausschlachtet. Zudem gibt es die Konkurrenz natürlich auch für entsprechend stärkere Systeme mit besserer Grafik. Hier hat das neue Zelda einfach nichts entgegen zu halten – vom üblichen Nintendo-Bonus und Charme einmal abgesehen. Stichwort ausschlachten: Skyrim wird im Herbst auch seinen Weg auf die Switch finden.

Auf der Flucht
Auf der Flucht

Mir ist bewusst das Zelda kein Skyrim ist, mir ist bewusst das die Nintendo Switch keine PS4 Pro ist. Aber warum hält dieser Umstand alle von einem objektiven Vergleich ab? Beide Konsolen haben ein ähnliches Preisschield, auch der Preis des Spiels an sich ist ganz klar Vollpreis. Zelda musste sich, zumindest von mir, diese Vergleiche bisher nicht gefallen lassen, da alles völlig anders war. Doch das ist vorbei. Wenn ich jetzt rein objektiv – und ich wiederhole: Ohne den obligaten Nintendo Bonus und ohne Nostalgie – überlege in welches Spiel ich meine Zeit und mein Geld investiere dürfte die Wahl eigentlich nicht auf Zelda fallen ,… Aber zugegeben: In Sachen Papierform hatte Nintendo neunmal immer das nachsehen. Dennoch ist es mir unbegreiflich warum Zelda sich in diese Richtung entwickeln musste. Ich wäre mit einem schönen „Retro“-Zelda glücklicher gewesen. Gerüchte zu Folge soll aber auch eine derartige Umsetzug zumindest denkbar sein.

Das Fazit des Fazits

Zelda und Link sind zurück – oder doch nicht? Nach vielen vielen Stunden «Breath of the Wild» hinterlässt mich Nintendos grosse RPG Hoffnung nach wie vor verwirrt und indifferent zurück. Es ist ein Auftakt nach Mass für die Nintendo Switch und erhält zurecht viel Lob. Ein wirklich gutes Spiel – für genau diese Konsole – für genau dieses Genre. «Zelda – Breath of the Wild» punktet mit enormen Umfang, einer angemessenen Grafik, einer guten Steuerung und jeder Menge Nintendo Charme. Trotz allem gibt es berechtigt Kritik an dem Umgang mit den Ursprüngen und Nintendo muss auch den Vergleich mit der Konkurrenz wirklich fürchten.

Eine Anektote zum Abschluss: Meine Frau hatte noch nie Zelda gespielt (Ja, ein schwerer Fehler meinerseits, dementsprechend nötigte ich sie zum Spielen auf der Switch) und ist von dem Spiel absolut begeistert. Letzten Endes dachte ich das Spiel nur für mich anzuschaffen – in Realität hat sie deutlich mehr Spielzeit – zu Hause und unterwegs – damit zugebracht als ich und ist ohne vorbehalte sehr zufrieden.

 

Jan Gruber

Podcaster, Blogger, Gamer, Switcher, Sportler – Unser Geek aus Wien

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