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Astral Chain im Test: Guter Platinum Games-Titel mit typischen Schwächen

Astral Chain im Test: Guter Platinum Games-Titel mit typischen Schwächen

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Astral Chain erschien vor wenigen Monaten als exklusiver Titel für die Nintendo Switch. Das Japano-Action-RPG entstand beim berühmten Entwicklerstudio Platinum Games, das für Toptitel wie Nier Automata, das grossartige Bayonetta oder auch Metal Gear Rising verantwortlich ist. Die Messlatte hängt also extrem hoch und daher habe ich mir ziemlich viel Zeit genommen, um den Titel etwas mehr in Augenschein zu nehmen. Astral Chain nutzt die Technik der Switch hervorragend aus, hat allerdings auch typische Schwächen anderer Platinum-Games. Welche das sind und was mir besonders gut gefallen hat, erkläre ich euch hier im Testbericht.

Astral Chain im Test: Starke Inszenierung, hervorragende Präsentation

Für die Menschheit sieht es gar nicht gut aus, denn sie steht kurz vor der Auslöschung. In diesem Fall ist aber nicht der Klimawandel verantwortlich, sondern dämonenartige Wesen namens Chimären, die durch Portale einer anderen Dimension kommen und Menschen entführen und zu Ihresgleichen umwandeln. Zum Schutz hat sich die nahezu ausgerottete Bevölkerung in eine Megametropole zurückgezogen, wo die noch verbliebenen Menschen um ihr Überleben kämpfen. Ihr übernehmt dabei die Rolle eines von zwei Zwillingsgeschwistern. Der andere Charakter verkommt aber eher zur Nebenfigur. Zudem seit ihr teil einer Polizei-Einheit namens Neuron, die sich um die Chimären und Belange der Bürger kümmert.

Wem nun einige Animes und Spiele in den Sinn kommen, der wird wohl ziemlich richtig liegen. Irgendwie erkennt man hier Parallelen zu Animes wie Attack on Titan, Black Bullet oder Neon Genesis Evangelion. Das ist allerdings nichts Schlechtes, im Gegenteil! Die Geschichte ist toll präsentiert und sehr Shonen-Anime-typisch inszeniert. Das zeigt sich auch schon in der Präsentation des Spiels. Astral Chain zeigt einen durchgängigen futuristischen Neon-Look. Zudem ist die Cell-Shading-Grafik gelungen und detailreich.

Wer allerdings etwas genauer hinschaut, wird einige kleinere Tricks entdecken, mit denen die Performance auf einem gleichbleibenden Level gehalten wird. Unter anderem scheinen ferne Texturen stärker auszublenden und auszupixeln. Kantenbildung in Form von einigen Treppeneffekten ist ebenfalls sichtbar, aber es hält sich alles im Rahmen. Auch ein Unschärfeeffekt in der Ferne sorgt für mehr Atmosphäre und gleichbleibende Frameraten. Grundsätzlich konzentriert man sich aber sowieso nur auf die Gegner und Objekte in nächster Nähe. Die Performance ist auf 30 Bilder pro Sekunde gelockt und macht einen sehr stabilen Eindruck.

Astral Chain Story mit einigen kleinen (Denk-)Atempausen

Wie die Grafik und Inszenierung ist auch die Geschichte ziemlich Anime-typisch gehalten. Wir haben ja weiter oben schon den Kern angerissen gehen aber aus Spoilergründen nicht komplett ins Detail. Schade ist, dass es oft schwer fällt sich komplett auf die Hauptgeschichte zu konzentrieren. Es ist zwar löblich, dass Platinum Games dem Spiel so viele Nebenaufgaben spendiert, die es abseits der gelungenen Geschichte, zu erledigen gilt. Sie lenken aber durch ihr stark repetetives Muster irgendwann auch ziemlich von der Story ab.

So kommt es öfters vor dass wir uns nicht dem Kampf der Chimären stellen, sondern in Astral Chain ganz normaler Polizeiarbeit nachgehen. Wir trennen sich streitende Bürger, klären Verbrechen auf oder räumen sogar den Dreck auf den Strassen weg. Das lässt zwischen den Story-Abschnitten durchaus aufatmen, wird auf Dauer aber auch langwierig. Man kann sich komplett in Nebenaufgaben verlieren und damit auch den Blick auf die Geschichte.

Schlimm ist das nicht und es sorgt in erster Linie für etwas Abwechslung, die aber zwischendurch auch ausarten kann. Eine etwas bessere Balance hätten wir uns hier schon gewünscht. Was allerdings wiederum sehr gut gefällt ist der funky Elektrosound des Soundtracks. Die elektronischen Beats und die stimmungsvolle Gesangsuntermalung harmoniert hervorragend mit den kräftigen Neon-Farben von Astral Chain.

Astral Chain Gameplay: Kampfsystem mit Legionen und Rätseln

Astral Chain sieht aber nicht nur sehr gut aus, sondern spielt es sich ziemlich Platinum Games-typisch sehr flüssig. Da die Menschheit sich selbst nicht komplett gegen die Chimären wehren kann, gewinnt die Namensgebenden Astral Kette (Astral Chain) hier an Bedeutung. Denn damit bindet ihr eine Chimäre an euch und kämpft mit ihr gegen andere Chimären. Euer Begleiter wird auch als Legion bezeichnet. Bis zu fünf unterschiedliche Legionen könnt ihr im Spiel finden, die für die unterschiedlichsten Situationen zu gebrauchen sind und dem Spiel eine interessante taktische Tiefe verleihen.

Denn so gibt es eine richtig starke Legion mit einer riesigen Axt und Schild. Eine mit Schwert und schnellen Bewegungen und auch eine mit Pfeil und Bogen, die eher den Fernkampf und damit fliegende Gegner übernimmt. Hier müsst ihr euch im Kampf für eine bestimmte Legion entscheiden.

Eure Kumpel-Kämpfer bleiben aber nicht ewig. Nehmt ihr oder eure Legion Schaden, geht der Energiebalken für die Beschwörung zurück. Ist er leer, muss euer Helfer eine Zwangspause einlegen und die dauert ziemlich lange. Wenn ihr aber die Chimäre schon vorher einpackt, regeneriert sich der Balken deutlich schneller. Es ist also etwas taktische Finesse vonnöten, was die Kämpfe aber extrem interessant und abwechslungsreich macht.

Astral Chain: Legionen helfen euch bei Rätseln in der eigenen und anderen Welt

Der Schauplatz der Kämpfe wechselt übrigens stetig. Mal kämpft ihr auf der Erde in der Stadt Arche, aber ab und an müsst ihr auch in die Dimension der Chimären ran. In beiden Welten gibt es unterschiedliche Rätsel und aufgaben zu lösen, die manchmal sogar an ganz klassische Rollenspiel-Dungeons erinnern. Mal müsst ihr zum Beispiel Säulen in die richtige Reihenfolge zusammenschieben, ab und an aber auch versteckte Platten über einem Abgrund ausfindig machen.

In der Menschenwelt helfen euch eure Legionen dabei kriminelle Machenschaften von euren Mitbürgern aufzudecken und diese dingfest zu machen. Das spornt nicht nur den Entdeckergeist an, es gibt auch eine Menge zu sehen und zu finden. Denn der Charakter kann im Verlauf des Spiels stark personalisiert werden und es gilt viele Gegenstände zu finden oder auch Nebenmissionen abzuschliessen, damit sich euer Spind im Hauptquartier füllt.

Astral Chain mit typischer Platinum Games-Schwäche

Als alter Fan der Platinum Games kommt nicht drum herum, auch über altbekannte Schwächen zu reden. Denn wenn Spiele wie Nier Automata, Bayonetta oder eben nun Astral Chain etwas gemeinsam haben, dann ist es die verflixte Kamera. Diese bringt euch wahrscheinlich öfters in brenzlige Situationen als euch lieb ist, denn sie verkantet sich gerne einmal in engen Gängen oder an Hauswänden. Grade die Kämpfe in der Stadt und in den dortigen Gassen arten in einem richtigen Gefummel aus.

Da wird es zwischendurch echt kritisch die Astral Chain und euren Legion-Begleiter im Auge zu behalten, was manchmal dann in nichts bewirkendes Button-Mashing verpufft. Das sonst eigentlich sehr durchdachte Kampfsystem, das durch seine taktische Tiefe durchaus gefällt, erhält so einen nicht zu verachtenden Dämpfer.

Zumal die Steuerung tatsächlich nicht ganz so unkompliziert ist. Habt ihr die Legion gerufen, so läuft diese auch hinter euch her. Wollt ihr sie selbst übernehmen, müsst ihr den linken Stick reindrücken und gedrückt halten. Dann könnt ihr die Legion mit dem rechten Stick bewegen. Das ist erst einmal kompliziert und erfordert Übung, da beide Charaktere oft nicht gleichzeitig bewegt werden können. Habt ihr den Bogen aber erstmal raus und wechselt stilecht zwischen euren Begleitern um eine starke Chimäre auszuschalten, fühlt es sich tatsächlich verdammt gut an!

Fazit: Astral Chain feiert gelungenen Exklusiv-Einstand

Es ist ein exklusives Platinum Games Spiel für die Nintendo Switch und es ist wirklich erstaunlich gut geworden. Ich weigere mich an dieser Stelle aber den Superlativ «überragend» zu verwenden, denn dafür ist es dann doch eine Spur zu brav geworden. Lorbeeren gibt es für das sehr gut gelungene Kampfsystem, eine interessante Story im «Attack on Titan»-Style und dem an dieser Stelle wirklich überragenden (ja, hier schon) Umfang. Es gibt immer etwas zu tun. Sei es die Polizei-Arbeit als Detektiv, die Stadt saubermachen, Chimären bekämpfen oder den eigenen Charakter individualisieren. Astral Chain bietet einfach was in alle Richtungen, muss aber auch mit den altbekannten Schwächen älterer Platinum Games Titel kämpfen.

Das wären unter anderem die teils sehr schwer zugängliche Kamera. In offenen Gegenden stört das nicht wirklich, da hier die Bewegungsfreiheit einfach gegeben ist. In engen Gängen oder Bereichen wird die störrische Ansicht aber dann eher zum Problem und führt häufiger zum virtuellen Ableben. Zudem vermag die Story des Spiels auch nicht einer goldenen Feder entsprungen sein, das ist aber weniger schlimm. Sie ist mittel zum Zweck und sie ist Shonen-Anime-typisch gut gelungen.

Unterm Strich bleibt ein wirklich guter Titel für Action-RPG-Fans mit starkem Hang zu Platinum Games. Wer Fan vergangener Spiele der Entwicklerschmiede ist, wird an Astral Chain seine absolute Freude haben. Das Spiel strahlt alle positiven Facetten von Platinum Games aus und bekommt als exklusiver Nintendo Switch Titel noch einmal eine ganz besondere Strahlkraft. Mir hat Astral Chain sehr gut gefallen und ist ein weiteres starkes Spiel im guten Line-Up von Nintendo für das bald auslaufende Spielejahr 2019.

Marcel Laser Als großer Technik-Fan begeistern mich Smartphones und Gadgets bereits seit vielen Jahren. Nebenbei spiele ich viel auf nahezu allen Konsolen, am PC und auf dem Smartphone. Abseits der Technik beschäftige ich mich mit Japan, Animes/Mangas und bin leidenschaftlicher Motorradfahrer.

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