Z-Wave, was ist das?

Wenn du dich mit Smart Home beschäftigst, bist du sicher schon über die Begriffe Zigbee, Matter und eben Z-Wave gestolpert. Während Matter aktuell in aller Munde ist (meinen grossen Matter Hub-Artikel findest du übrigens hier), ist Z-Wave ein Standard, der schon seit über zwanzig Jahren leise und zuverlässig seinen Dienst tut. Gerade in der Schweiz, wo viele Häuser mit dicken Betonwänden gebaut sind, hat Z-Wave einige Vorteile, die auf anderen Seiten kaum erklärt werden. Genau das möchte ich hier nachholen.

Schnapp dir einen Kaffee (oder ein Glas Wasser, du weisst ja, was ich davon halte), und los geht's.

Was ist Z-Wave genau?

Z-Wave ist ein Funkstandard für die Hausautomation. Er wurde Ende der 1990er-Jahre vom dänischen Unternehmen Zensys entwickelt und hat sich seither zu einem der am längsten etablierten Smart Home Standards überhaupt entwickelt. Über die Jahre wechselte die Technologie mehrmals den Besitzer: Erst übernahm Sigma Designs die Technologie, seit 2018 liegt sie bei Silicon Labs.

Die Spielregeln rund um Z-Wave bestimmt die Z-Wave Alliance, ein Zusammenschluss von mittlerweile über 700 Herstellern. Seit 2020 ist die Spezifikation komplett offen (als ITU-T G.9959 international standardisiert), das heisst, jeder Hersteller kann Z-Wave-Geräte entwickeln, ohne Lizenzgebühren an einen einzelnen Anbieter zu zahlen.

In der Praxis bedeutet Z-Wave für dich: Steckdosen, Lampen, Tür- und Fenstersensoren, Heizungsthermostate, Rollladen-Steuerungen, Wassermelder oder Türschlösser, die alle über ein gemeinsames Funknetz miteinander und mit deiner Zentrale sprechen. Das Besondere dabei: Jedes Z-Wave-Gerät muss ein Zertifizierungsprogramm durchlaufen. Das garantiert dir, dass ein Z-Wave-Schloss von Hersteller A wirklich mit einem Z-Wave-Hub von Hersteller B funktioniert, ganz ohne Bastelei.

Gerade im professionellen Bereich (Hausautomation, grössere Liegenschaften, Alarmanlagen) ist Z-Wave deshalb sehr verbreitet, auch wenn es im Consumer-Bereich oft im Schatten von Zigbee und neu auch Matter steht.

Wie funktioniert Z-Wave?

Z-Wave arbeitet, wie Zigbee auch, mit einem sogenannten Mesh-Netzwerk. Statt dass jedes Gerät direkt mit deiner Zentrale (dem Controller) sprechen muss, können sich Z-Wave-Geräte gegenseitig als Verstärker nutzen. Ein Gerät, das ans Stromnetz angeschlossen ist (zum Beispiel eine Steckdose oder ein Lichtschalter), wird automatisch zum sogenannten „Router“ oder Repeater. Es leitet Signale von weiter entfernten Geräten an deine Zentrale weiter.

Das Schöne daran: Je mehr netzbetriebene Geräte du hast, desto stabiler und grösser wird dein Netzwerk, ganz ohne zusätzliche Hardware. Ein Signal kann dabei über mehrere „Hops“ (Sprünge) seinen Weg zur Zentrale finden, und Z-Wave sucht sich dabei selbstständig die beste Route. Fällt ein Repeater aus oder ist eine Tür gerade zu, sucht sich das Netzwerk automatisch eine alternative Strecke.

Batteriebetriebene Geräte (Sensoren, Fernbedienungen) machen da eine Ausnahme: Sie sind sogenannte „Sleeping Nodes“. Sie schlafen die meiste Zeit, um Strom zu sparen, und wachen nur kurz auf, um ihre Daten zu senden oder Befehle abzuholen. Das ist der Grund, warum batteriebetriebene Z-Wave-Geräte (anders als netzbetriebene) das Netz nicht verstärken.

In Europa funkt Z-Wave übrigens auf 868,42 MHz, ein Frequenzband, das von kaum einem anderen Alltagsgerät genutzt wird. Mehr dazu gleich im Kapitel zur Technik.

Z-Wave Mesh-Netzwerk
Z-Wave Mesh-Netzwerk

Was benötigst du für Z-Wave?

Der Einstieg in Z-Wave ist eigentlich erfreulich simpel. Du brauchst grundsätzlich drei Dinge:

1. Einen Controller (deine Zentrale) Das ist das Herzstück deines Netzwerks. Hier kommen verschiedene Wege in Frage:

  • Ein Z-Wave-USB-Stick (zum Beispiel von Aeotec oder Zooz) zusammen mit Home Assistant und dem Add-on Z-Wave JS UI
  • Ein All-in-One-Hub wie der Aeotec Smart Home Hub, eine Fibaro Home Center oder ein Athom Homey (den ich übrigens hier im Blog ausführlich getestet habe)
  • Ein professionelles System eines Domotique-Anbieters, wie sie auch in der Schweiz von Fachhändlern installiert werden

2. Z-Wave-Geräte Steckdosen, Lichtschalter, Tür-/Fenstersensoren, Bewegungsmelder, Heizungsthermostate, Rollladen-Aktoren, Wassermelder oder Türschlösser, je nachdem, was du automatisieren möchtest. Wichtig: Achte beim Kauf darauf, dass die Geräte für Europa (868 MHz) ausgelegt sind, dazu aber weiter unten mehr.

3. Eine App oder Plattform zur Steuerung Über die App deines Controllers (oder über Home Assistant) richtest du Automationen, Szenen und Zeitpläne ein. Hier laufen am Ende alle Fäden zusammen, von hier aus steuerst du dein Zuhause auch von unterwegs.

Z-Wave Setup
Z-Wave Setup

Die Technik dahinter: Wie ist Z-Wave aufgebaut?

Jetzt wird es ein bisschen technischer, aber keine Sorge, ich versuche, es so verständlich wie möglich zu halten. Wenn du tiefer einsteigen willst, verlinke ich dich zu jedem Punkt bald zu einem eigenen Beitrag.

Das Frequenzband: 868 MHz statt 2,4 GHz

WLAN, Zigbee und Bluetooth funken alle im selben überfüllten 2,4-GHz-Band. Gerade in Mehrfamilienhäusern oder Büros, wo dutzende WLAN-Netzwerke aufeinandertreffen, kann das zu Funkstörungen und Aussetzern führen. Z-Wave geht in Europa einen anderen Weg und funkt auf 868,42 MHz, einem Band, das fast ausschliesslich für Z-Wave reserviert ist. Das Resultat: Dein Smart Home Netzwerk läuft stabiler, weil es kaum Konkurrenz um die Funkfrequenz gibt.

Wichtig zu wissen: In den USA funkt Z-Wave auf 908,42 MHz, in Japan und weiteren Ländern wiederum auf anderen Frequenzen. Geräte sind also nicht weltweit kompatibel, dazu aber mehr im Kapitel zum Kauf.

Z-Wave Frequenzband
Z-Wave Frequenzband
Reichweite und Hops

Ein einzelner Z-Wave-Funksprung (Hop) schafft unter guten Bedingungen bis zu 100 Meter, deutlich mehr als bei Zigbee. In der Praxis, mit Wänden, Decken und Möbeln dazwischen, sind es natürlich weniger, aber selbst dann bleibt Z-Wave meist im Vorteil. Über mehrere Hops hinweg (klassisch bis zu vier) kann sich dein Signal so durch ein ganzes Haus oder sogar über mehrere Stockwerke „durchschlagen“.

Noch eindrücklicher wird es mit Z-Wave Long Range (ZWLR): Hier verzichtet Z-Wave auf das Mesh-Prinzip und verbindet Geräte direkt mit dem Controller, über Distanzen von bis zu 1,5 Kilometern (mit der 800-Series-Generation sogar bis zu 4 Kilometern). Das ist vor allem für grosse Liegenschaften, Gärten, Bauernhöfe oder Nebengebäude spannend.

Z-Wave Reichweite
Z-Wave Reichweite
Sicherheit: S2 Security Framework

Seit 2017 ist das sogenannte S2 Security Framework für alle neu zertifizierten Z-Wave-Geräte Pflicht. Es sorgt mit AES-128-Verschlüsselung für eine sichere Kommunikation zwischen deinen Geräten und dem Controller. Besonders praktisch: Beim Einbinden eines neuen Geräts scannst du meist einen QR-Code oder gibst eine PIN ein, damit ist die Verschlüsselung von Anfang an aktiv, ganz ohne kompliziertes manuelles Konfigurieren.

SmartStart: Einfaches Einbinden neuer Geräte

Mit SmartStart (eingeführt mit der 700-Series-Generation) kannst du neue Z-Wave-Geräte einbinden, bevor sie überhaupt eingeschaltet sind. Du scannst den QR-Code auf der Verpackung mit deinem Controller, und sobald das Gerät zum ersten Mal mit Strom versorgt wird, verbindet es sich automatisch und sicher mit deinem Netzwerk.

Die Chip-Generationen: 500, 700, 800 Series

Über die Jahre hat Silicon Labs (beziehungsweise zuvor Sigma Designs) verschiedene Chip-Generationen herausgebracht, jede mit besserer Reichweite, tieferem Stromverbrauch und neuen Funktionen. Die wichtigsten Meilensteine zeige ich dir im nächsten Kapitel.

Die Geschichte von Z-Wave: Die wichtigsten Etappen

Z-Wave gibt es schon länger, als die meisten denken. Damit du die Entwicklung einordnen kannst (und weil ich zu jedem Punkt nach und nach einen eigenen, vertieften Beitrag schreibe), hier die wichtigsten Stationen im Überblick:

  • 1999/2001: Z-Wave entsteht. Das dänische Unternehmen Zensys entwickelt die ersten Grundlagen des Standards.Mehr dazu: Die Anfänge von Z-Wave (Link folgt)
  • 2005: Die Z-Wave Alliance wird gegründet. Hersteller schliessen sich zusammen, um Kompatibilität und Zertifizierung sicherzustellen. Mehr dazu: Was macht die Z-Wave Alliance genau? (Link folgt)
  • 2013: Z-Wave Plus (500 Series) erscheint. Mehr Reichweite, längere Akkulaufzeiten und mehr Funkkanäle für ein stabileres Netz. Mehr dazu: Z-Wave Plus erklärt: Was hat sich verändert? (Link folgt)
  • 2017: S2 Security wird Pflicht. Ab diesem Jahr müssen alle neu zertifizierten Geräte das S2 Security Framework unterstützen. Mehr dazu: S2 Security und SmartStart im Detail (Link folgt)
  • 2018: Silicon Labs übernimmt. Die Z-Wave-Technologie wechselt von Sigma Designs zu Silicon Labs.
  • 2019/2021: Die 700 Series kommt. Mit ihr halten SmartStart und Z-Wave Long Range (ZWLR) Einzug, ausserdem sinkt der Stromverbrauch deutlich. Mehr dazu: Z-Wave Long Range erklärt: Was bringt ZWLR wirklich? (Link folgt)
  • 2020: Die Spezifikation wird vollständig offen. Die Z-Wave Alliance öffnet den Standard für alle Hersteller, ohne Lizenzgebühren an einen einzelnen Anbieter.
  • 2022 und weiter: Die 800 Series. Noch mehr Reichweite, Multi-PHY (klassisches Z-Wave und Long Range in einem Chip) und eine Reichweite von bis zu 4 Kilometern bei ZWLR. Mehr dazu: Z-Wave 800 Series: Lohnt sich das Upgrade? (Link folgt)

Sobald die jeweiligen Vertiefungs-Beiträge online sind, ergänze ich die Links direkt hier in diesem Hub-Artikel.

Wo startest du am besten?

Du bist neu bei Z-Wave und weisst nicht, wo du anfangen sollst? Hier meine Empfehlung:

Du nutzt bereits Home Assistant? Dann ist ein Z-Wave-USB-Stick (zum Beispiel der Aeotec Z-Stick 7 oder der Zooz ZAC93) zusammen mit dem Add-on Z-Wave JS UI die flexibelste Lösung. Du bleibst dabei komplett lokal und kannst Z-Wave-Geräte direkt neben deinen Zigbee- und Matter-Geräten in Automationen einbinden.

Du möchtest es möglichst einfach halten? Ein All-in-One-Hub wie ein Aeotec Smart Home Hub, eine Fibaro Home Center oder ein Athom Homey nimmt dir viel Konfigurationsarbeit ab und bringt eine fertige App mit.

Dein erstes Gerät Am einfachsten startest du mit einer netzbetriebenen Steckdose oder einem Lichtschalter. Solche Geräte sind nicht nur günstig und nützlich, sie werden auch automatisch zu Repeatern und stärken dein Netzwerk von Anfang an. Erst danach lohnt es sich, batteriebetriebene Sensoren (Tür-/Fenstersensoren, Bewegungsmelder) hinzuzufügen, denn diese „hängen“ sich gerne an die bereits vorhandenen, stärkeren Geräte in der Nähe.

Eine kleine Reihenfolge-Empfehlung Beginne mit Geräten nahe an deinem Controller und arbeite dich dann nach aussen vor. So baut sich dein Mesh-Netzwerk Schritt für Schritt sauber auf, und jedes neue Gerät findet leichter eine gute Verbindung.

Worauf musst du beim Kauf von Z-Wave-Produkten achten?

Damit du nicht in typische Fallen tappst, hier die wichtigsten Punkte für deine Kaufentscheidung:

  • Frequenzband prüfen (868 MHz für Europa). Viele Schnäppchen aus den USA oder von internationalen Marktplätzen funken auf 908 MHz und funktionieren in der Schweiz nicht zuverlässig oder gar nicht. Achte beim Import-Kauf immer auf die EU/Europa-Variante.
  • Z-Wave Plus, 700 oder 800 Series bevorzugen. Ältere Geräte (300 Series und früher) funktionieren zwar oft noch, bringen aber weniger Reichweite, kürzere Akkulaufzeiten und keine moderne Sicherheit mit.
  • S2-Security-Zertifizierung beachten. Achte auf das entsprechende Logo auf der Verpackung, vor allem bei sicherheitsrelevanten Geräten wie Türschlössern oder Alarmsensoren.
  • Netzbetrieben oder batteriebetrieben? Plane bewusst: Netzbetriebene Geräte stärken dein Mesh, batteriebetriebene Geräte sind flexibel platzierbar, aber auf eine gute Netzabdeckung in der Nähe angewiesen.
  • Kompatibilität mit deinem Controller checken. Auch wenn Z-Wave grundsätzlich herstellerübergreifend funktioniert, lohnt sich vorab ein Blick in die Kompatibilitätsliste deines Hubs (zum Beispiel bei Home Assistant, Fibaro oder Homey), gerade bei Spezialgeräten wie Rollladen-Aktoren oder Heizungsthermostaten.
  • Z-Wave Long Range bei grossen Grundstücken. Hast du ein grosses Haus, einen Garten oder Nebengebäude, lohnt sich ein Controller und Geräte mit ZWLR-Unterstützung.
  • Zukunftssicherheit dank Matter im Hinterkopf. Z-Wave-Geräte sprechen aktuell nicht direkt Matter. Wer auf Zukunftssicherheit setzt, kombiniert Z-Wave für die Bereiche, wo es stark ist (Sicherheit, Reichweite), mit Matter für neue Anschaffungen. Wie sich Z-Wave, Zigbee und Matter unterscheiden, erkläre ich dir ausführlich in meinem Protokollvergleich.

Fazit: Für wen lohnt sich Z-Wave?

Z-Wave ist kein Standard, der mit lauten Marketing-Versprechen um sich wirft, dafür aber einer, der seit über zwanzig Jahren bewiesen hat, dass er funktioniert. Die eigene Frequenz, die garantierte Zertifizierung und die grosse Reichweite machen Z-Wave zur ersten Wahl, wenn Zuverlässigkeit für dich an oberster Stelle steht, etwa bei Türschlössern, Alarmanlagen oder grösseren Liegenschaften.

Für alle anderen Bereiche lohnt sich oft eine Kombination: Z-Wave dort, wo Stabilität zählt, ergänzt durch Zigbee oder Matter für den Rest. Mit einer Plattform wie Home Assistant hast du am Ende ohnehin alles unter einem Dach.

Du willst tiefer einsteigen? In den nächsten Wochen und Monaten ergänze ich diesen Hub-Artikel laufend mit Verlinkungen zu Vertiefungs-Beiträgen, von Z-Wave Long Range über die besten Geräte für die Schweiz bis hin zu konkreten Einrichtungsanleitungen für Home Assistant. Schau also gerne wieder vorbei, oder schreib mir in den Kommentaren, welches Thema dich am meisten interessiert!

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