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iOS 11 und das iPad Pro

iOS 11 und das iPad Pro

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Zehn Jahre Smartphone, zehn Jahre iOS und sieben Jahre iPad. Im Laufe der Zeit nahm die Leistung von Apples Geräten massiv zu. Auch die Software entwickelte sich rasend schnell, aktuelle Modelle sind in keiner Weise mit ihren Urversionen mehr vergleichbar. Während das iPhone und iPad viele Geräteklassen über Nacht quasi obsolet werden ließen gibt sich Apple in einem Punkt nach wie vor Mühe: Beim Ersatz des Computers. iOS 11 und das iPad Pro sollen weitere Schritte in diesem Bereich sein.

Hier kommt ihr zu der Übersicht aller iOS 11, macOS High Sierra und watchOS Tutorials.

iOS 11 und das iPad Pro

Apple selbst gibt in aktuellen Werbespots die Zielrichtung klar vor – iPads sollen, und können ihrer Meinung nach, Computer ohne Probleme ersetzen. In manchen Punkten mag der Konzern durchaus recht haben. Die verbaute Hardware kann es durchaus mit der Leistung ausgewachsener Computer aufnehmen, der im September vorgestellte A11 stellt die Leistung vieler andere Prozessoren deutlich in den Schatten.

Auf der anderen Seite gibt es aber viele Probleme bei der Software. Das iPad setzt auf ein mobiles Betriebssystem – und damit verfolgt der Konzern eine komplett andere Strategie als der Mitbewerber Microsoft. Während Windows auf Geräten aller Größenklassen verfügbar ist trennt Apple hier klar und bietet iOS und macOS an. Beim iPad schwinden die Grenzen. Einerseits fehlt es dem App Store an wirklich professionellem App-Angebot, andererseits gibt es im Betriebssystem deutliche Mängel. So kommt das iPad dann bei aller Leistung doch schnell ins Hintertreffen im Vergleich zu einem Computer oder Mac.


iOS 11 – Neues Dock, neues Multitasking und Drag & Drop

Mit iOS 11 spendiert Apple dem iPad erstmals eine größere Menge an Features exklusiv, hier wurde klar Wert auf Produktivität gelegt. Lange gibt es den Ruf nach einer Art iOS Pro für entsprechend leistungsstarke Geräte bzw. große Bildschirme. Die größte Änderung ist das neue Dock, dieses wurde vom Mac inspiriert. Einerseits sind dort deutlich mehr Apps darstellbar als bisher, andererseits ist das Dock der neue Dreh und Angelpunkt für Multi-Tasking. Während die Lösung unter iOS 10 bisher eher schwer zu bedienen war ist die Steuerung jetzt sehr intuitiv. Das Dock lässt sich in jeder App durch ein Wischen von unten nach oben öffnen. Dort werden festgelegte Apps neben einer Auswahl aktueller Apps angezeigt. Durch ziehen eines Icons auf das aktuelle Fenster öffnet sich die zweite Anwendung. Das neue Fenster kann dann als Überblendung dargestellt werden, oder neben der aktuellen App im Split-View geöffnet werden. Auf Geräten mit ausreichend RAM kann sogar ein drittes Fenster, ausschließlich als Überblendung, angezeigt werden.

iOS 11 iPad App Switcher
iOS 11 iPad App Switcher

So wird die Bedienung eines eigentlich bereits verfügbaren Features deutlich vereinfacht und leichter zugänglich. Die Möglichkeit Fenster nebeneinander darzustellen gewinnt auch durch das neue Drag & Drop, endlich ist es möglich Inhalte direkt von einer App in die andere zu verschieben, ohne dafür den umständlichen Weg über das ShareSheet nehmen zu müssen.


Notizen, Screenshots und vielleicht der Apple Pencil

Wesentliche Verbesserungen gibt es auch bei den Systemapps. So wird auch der Apple Pencil, ein nach wie vor optionales Zubehör für das iPad Pro, deutlich tiefer ins System integriert. Während Notizen auf dem Lockscreen ein nettes Gimmick sind gibt es auch deutlich tiefere Integrationen. Screenshots können direkt bearbeitet werden, durch den Apple Pencil ist so auch eine sinnvolle Annotation möglich. Auch die Notizen App wurde erheblich aufgebohrt. Einerseits bei der Erstellung von Notizen selbst, andererseits gibt es aber auch neue Grundfunktionen. So wurde ein Dokumentenscanner integriert der durch den Apple Pencil um die sinnvolle Funktion einer digitalen Unterschrift erweitert wird. Damit wird das iPad Pro, vor allem durch den Apple Pencil, im Hinblick auf die Bearbeitung von digitalen Dokumenten und Notizen deutlich aufgewertet.

iOS 11 Screenshots bearbeiten Cover
iOS 11 Screenshots

Und sonst? Dateien und sinnvolle Erweiterungen

Neben vielen Überarbeitungen gibt es aber auch eine komplett neue App direkt von Apple. Erst mit iOS 10 wurde die iCloud App eingeführt. Damit wollte Apple einem lang gehegten Wunsch nachkommen: Er Einführung bzw. Öffnung des Dateisystems. Im Hinblick auf diese Forderung war die iCloud App aber nicht mehr als ein schlechter Versuch. Dementsprechend wurde die App eingestellt, die Dateien App tritt an ihre Stelle. Damit ist es möglich verschiedene Cloud Speicher in einer App zu kombinieren, zudem werden auch lokale Dateien unterstützt. Damit ist es möglich Dateien tatsächlich an einem Ort, zentral und auf Wunsch lokal, zu verwalten und bearbeiten.

iOS 11 Dateien App Cover
iOS 11 Dateien App

Was im Test gut funktioniert wird dann aber erst durch andere Apps und Erweiterungen wirklich sinnvoll. So hängen sich nicht nur Cloudspeicher in die Dateien-App, auch andere Dienste werden dort angeboten. Beispielsweise kann so auch das heimische Nas eingebunden werden oder auch FTP Anwendungen wie Transmit finden den Weg in die neue Dateiverwaltung. Somit Eröffnen sich zahlreiche neue Möglichkeiten – und auch hier rückt das Sharesheet als bisher schwache, universelle, Antwort deutlich in den Hintergrund.

Generell gilt bei iOS 11 aber: Die neuen Features lassen sich durch Apps von Drittanbietern massiv aufwerten. So fand das vom Mac bekannte Yoink jetzt auch den Weg auf das iPad. Es handelt sich dabei um eine optisch sichtbare Zwischenablage die (mehrere) Dateien aller Art vorhalten kann. Dank Drag & Drop und Splitview wird dabei die Ablage massiv erweitert, Arbeitsabläufe dadurch nachhaltig vereinfacht oder gar erst ermöglicht.


Der Computer ist tod, lang lebe das iPad !?

Mit dem neuen iPad Pro 10.5 und iOS 11 habe ich mich erneut dazu gezwungen rein auf einem iPad zu arbeiten – und Apples Ansatz, dass das Gerät einen PC (oder Mac?) ersetzen soll, erneut zu prüfen. Ohne Frage ist iOS 11 ein großer Schritt für den produktiven Einsatz eines iPads, Apples Reality Distortion Field wurde deutlich kleiner. Das System wurde grundlegend verbessert und mit einem vernünftigen Fenstermanagement und Drag & Drop gibt es jetzt zwei lange gewünschte Funktionen. Die Dateien-App ist ein weiterer Schritt Richtung lokales Dateisystem und macht viele besser als noch unter iOS 10. Mit dem Dock lernt iOS auch endlich von macOS und integriert ein lange bewährtes Steuerungselement. Die hauseigenen Apps wurden wesentlich verbessert – unterm Strich macht produktives Arbeiten auf einem iPad damit deutlich mehr Spass, und Sinn, als bisher.

Dafür ist aber auch Apples eigenes Zubehör notwendig. Erst mit einer Tastatur, und oft auch erst mit einem Apple Pencil, ergibt sich ein rundes, wirklich produktiv nutzbares Paket. Dabei gibt es nach wie vor Schwächen. iOS 11 ist nicht der finale Todesstoss für den Computer – es ist lediglich ein guter Schritt in die richtige Richtung. In Sachen Fenstermanagement und auch der Zusammenarbeit zwischen Apps gibt es noch viel Raum für Verbesserungen – Probleme die Apple lösen kann und wird. Andere Probleme liegen an der Grundentscheidung iOS und macOS zu trennen, diese wird Apple nicht so schnell aufgeben. Apple argumentierte immer gegen Touchscreens auf Macs da die Arbeitshaltung so absolut unnatürlich sei – und sie haben damit recht. In diese unnatürliche Arbeitshaltung zwingt uns der Konzern nun letztlich aber auf dem iPad Pro mit der optional erhältlichen Tastatur. Ein Trackpad wäre wünschenswert, ich rechne aber nicht damit jemals einen Mauszeiger auf einem iOS Gerät zu sehen.

Ob ein iPad einen Computer nun wirklich ersetzen kann? Ja und Nein. Viele Leute führen auf ihren Computern maximal Standardanwendungen aus, in diesem Fall ist das iPad Computern deutlich näher als früher. Auch beim Erstellen und Bearbeiten von Dokumenten und anderen Inhalten macht das Tablet, dank iOS 11, mittlerweile wirklich eine gute Figur. Sobald es dann aber zu Profi Anwendungen geht – Im Bereich Grafik, Video und Sound – oder sobald Schnittstellen benötigt werden – wird die Luft schnell dünn und die Anwendung sehr schwer.

Die Zeit für den Computer, oder Mac, ist meiner Meinung nach damit noch lange nicht gekommen – aber iOS 11 hat sich jede Menge Lob für den konsequenten Schritt verdient. Damit rückt Apple dem selbst beworbenen ideal eines Produktivgeräts deutlich näher. Ich hoffe mit iOS 12 und folgenden Betriebssystemen wird dieser Weg konsequent weiter beschritten.

 

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