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Ghost in the Shell

Ghost in the Shell

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Eine gute Story und ein grosses Arsenal an Filmgrössen aus Hollywood – was soll da schon schief gehen? Ähnliches dürfte sich Steven Spielberg 2008 gedacht haben, als er die Rechte für eine Realverfilmung des Mangas «Ghost in the Shell» von Masamune Shirow erwarb. Fremdartiges Sci-Fi trifft sehr aktuelle Sinnfragen und ein sexy Roboter feuert sich durch eine düstere Welt von Hackern – ob das für einen wirklich guten Film reicht?

Ghost in the Shell

In einer nahen Zukunft wird Mira Killians (Scarlett Johansson – The Island) Gehirn in einen Roboter verpflanzt. Verantwortlich dafür ist die regierungsnahe Hanka Corporation, die mehr oder minder die asiatische Metropole New Port City kontrolliert. Major Mira stellt in zweierlei Hinsicht eine völlig neue Evolutionsstufe dar. Einerseits ist sie der erste Mensch in einem vollkommen mechanischen Körper – echtes Bewusstsein in einer Maschine – andererseits damit aber auch eine mächtige Waffe. Sie bildet die Speerspitze der geheimen Sektion 9 und soll es mit dem Hacker Kuze (Michael Pitt – Das Jerico Projekt) aufnehmen. Im Kampf gegen Kuze verschiebt sich ihre eigene Wahrnehmung ihres Umfelds und letztlich stellt sich die Frage, was in dieser Geschichte tatsächlich das Böse ist.

Eine Sci-Fi Story, die weniger fern nicht sein könnte. Aktuell diskutieren wir über autonome Autos, Lieferdronen oder Pizzazustelldienste. Diese Gedanken einen Schritt weiter zu spinnen – Richtung sinnvoller Haushaltsroboter, die die Intelligenz unserer Staubsaugerroboter überschreiten, oder gar Soldaten – erscheint nicht so unwahrscheinlich. Sobald dieses Gedankenexperiment betreten wird, stossen wir aber schnell auf sehr viele ethische Probleme und existenzielle Grundfragen. Was macht einen Menschen aus – und was eine Maschine? Was ist Bewusstsein und Charakter und wie ist das festzumachen? Letztlich in Zeiten wie diesen eine sehr wichtige Frage – was ist Menschlichkeit?

Sofern ihr Antworten auf diese Fragen sucht – ihr werdet sie auch in diesem Film nicht finden. Es läge ein breites Spektrum an interessanten, tiefgreifenden, Fragen und Problemen vor dem Regisseur (Rupert Sanders – Snow White and the Huntsman) – der diese ganz gekonnt umschifft. Problematiken rund um Ethik, die jüngst sogar durch Videospiele – wie Deus Ex – besser aufgegriffen wurden als von «Ghost in the Shell». Fairerweise sei dazu gesagt: «Deus Ex Human Revolution» besitzt eine Spieldauer von mehreren zig Stunden – ein Umfang und Spielraum, den ein Kinofilm natürlich nicht leisten kann. Auch schauspielerisch hat der Film sehr wenig zu bieten. Major Mira Killian wirkt nicht wie ein Mensch im Roboterkörper mit Identitätskrise, vielmehr gibt Scarlett Johannson dem Charakter eher den Charme eines unkontrollierbaren, störrischen Teenagers mitten in den stärksten Phasen der Pubertät – eine klar schlechte Perfomance, die der Hauptdarstellerin hier vorgeworfen werden muss. Bei den Nebencharakteren verhält es sich ähnlich – jedoch nicht aus schauspielerischem Unvermögen heraus. Hier sind die Rollen und Charaktere einfach komplett flach und stereotyp. Jeder Charakter entspricht genau einer klassischen Schablone, die keinerlei Abweichungen erlaubt. Dementsprechend vorhersehbar ist aber auch das komplette Schauspiel inklusive Mimik und Gestik.

Letztlich öffnete die filmische Umsetzung des Mangas noch eine ganz andere Debatte. Die Hauptfigur trägt eindeutig asiatische Züge – wurde mit Scarlett Johannson aber mit einer amerikanischen Darstellerin besetzt. Die Diskussion um Whitewashing brannte schnell lichterloh und führte zu umfangreichen Petitionen. Der Begriff «Whitewashing» wurde zu den Oscars 2015 durch den Twitter Hashtag #OscarssoWhite geprägt. Er stand für die Amerikanisierung von ausländischen Inhalten, vor allem auch bezogen auf rassistische Hintergründe. So werden nach wie vor häufig weisse Amerikaner statt der zum Original passenden Charaktere (hier wohl eine asiatische Schauspielerin) besetzt. Diese Diskussion möchte ich an dieser Stelle nicht weiter aufmachen. Ohne Frage – es ist ein Problem, das nachweislich in Hollywood existiert. Andererseits würde ein Film dieses Kalibers mit einer asiatischen Schauspielerin so in Hollywood nicht produziert werden. Zudem gibt es, abgesehen vom Hauptcharakter, genug asiatisch-stämmige Darsteller und aktuell schaffen es auch immer mehr Schauspieler anderer Nationen in aktuelle Hollywood Filme. Ohne Frage: Mit Gleichberechtigung hat dies absolut nichts zu tun, hier zählt rein die Wirtschaft. Frei nach dem Schema „Wenn in Star Wars Rogue One ein Asiate mitspielt, gehen auch mehr Asiaten ins Kino“. Traurig, leider aber Realität.

Die grösste Stärke des Films ist eindeutig seine Optik. Hier kann der Regisseur, ähnlich wie bei seinem Erstlingswerk, absolut überzeugen. Abgesehen davon, dass Major beinahe lächerlich „asiatisiert“ wurde, sieht alles wirklich sehr beeindruckend aus. Die Roboter sind schön gestaltet, die Stadt wirkt riesig und extrem futuristisch. Während ich anderen Filmen aus dem Sci-Fi Genre sehr gerne mangelnde Zukunftsvisionen vorwerfe, muss ich hier meinen Hut ziehen.

Der Film wird – wie die meisten bildgewaltigen Inszenierungen heutzutage – auch in 3D angeboten. So sehr ich sonst ein Fan der Technologie (zumindest in Kinos) bin, kann das Geld beim Kauf der Karten hier allerdings gespart werden. Wirklich für 3D ausgelegte Szenen gibt es wenige, obendrein ist der Film oft sehr dunkel – ein Effekt, der in 3D aufgrund der technischen Restriktionen der Filmtechnik drastisch erhöht wird.

Fazit

Um die Anfangsfrage wieder aufzugreifen: All das reicht für gute Kinounterhaltung, die der Zuschauer allerdings nicht zu sehr hinterfragen darf. Optisch gehört «Ghost in the Shell» ohne Zweifel zu einer der beeindruckendsten Inszenierungen, dabei bleibt jedoch sowohl die Story als auch die schauspielerische Leistung leider auf der Strecke. Insofern: Kopf aus, Film an und zwei Stunden lang wirklich beeindruckende Bilder im Kino geniessen.

 

Jan Gruber

Podcaster, Blogger, Gamer, Switcher, Sportler – Unser Geek aus Wien

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