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Die Mumie (2017)

Die Mumie (2017)

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Reboots erfreuen sich aktuell grosser Beliebtheit. Bei «Die Mumie» wird diese Vorgabe gleich in zweierlei Hinsicht erfüllt. Den meisten unserer Leser werden die Filme mit Brendan Fraser, die ab 1999 veröffentlich wurden, ein Begriff sein. Doch auch bei dieser Reihe handelte es sich nur um eine Neuauflage eines Klassikers von 1932.

Die Mumie (2017)

Achtzehn Jahre später haben die Universal Studios nun ein ambitioniertes Projekt, bei dem die Neuauflage «Die Mumie» den Startpunkt markiert. Es wird geplant, das «Dark Universe» neu aufzulegen – eine Filmreihe, die die Horror-Klassiker der 1930iger neu in die Kinos bringen möchte. Hier gibt es bekannte Titel wie «Frankenstein», «Dracula», «Jekyll and Hyde» oder «Van Helsing». Viele dieser Umsetzungen sind bereits geplant und terminiert – aber beginnen wir am Anfang bei «Die Mumie»

Als Regisseur für die Neuauflage zeichnet Alex Kutzman (Zeit zu Leben, Xena als Regisseur) verantwortlich. Gerüchten zu Folge wäre eigentlich Len Wiseman (Underworld) geplant gewesen, dieser sprang allerdings ab. Tom Cruise (Mission Impossible, Top Gun) schlüpft in die Rolle von Nick Morton, einem Aufklärer des US Militärs mit zweifelhafter Moral. Annabella Wallis (X-Men: Erste Entscheidung, Ian Flemming) mimt Jenny Halsey, eine junge Archäologin und überraschend gibt Sofia Boutella (Star Trek Beyond, Kingsman) die neue, weibliche, Mumie. Zudem gibt es noch Russel Crowe (Gladiator, A Beautiful Mind) als Dr. Henry Jekyll in einer zunächst kleinen Nebenrolle.

Das Schlitzohr Nick ist im Irak unterwegs, weit hinter den Linien des Feindes. Seine Rolle als Aufklärer missbraucht er zur Plünderung alter Gräber, um die so gefundenen Artefakte auf dem Schwarzmarkt zu verkaufen. In einer Rebellenhochburg gerät er in ein Feuergefecht und fordert eine taktische Drohne zur Hilfe an. Deren Raketen legen eine geheime ägyptische Grabkammer frei – mehr als 100 Meilen von Ägypten entfernt. Die Expertin Jenny wird angefordert – eine junge Archäologin, die der charmante Nick bereits einige Tage zuvor verführt hat um ihr eine Schatzkarte zu eben dieser Schatzkammer zu entwenden. So öffnen sie letztlich die vermeintliche Grabkammer, die sich just als Gefängnis entpuppt. Eine alte ägyptische Prinzessin wird erweckt, die bei der Aufgabe Seth – den Gott der Toten – in diese Welt zu holen vor Urzeiten unterbrochen wurde. Jetzt möchte sie ihre Aufgabe fortsetzen.

Im Vergleich zu der Filmreihe mit Brendan Fraser ist sich diese Neuauflage des Klassikers deutlich bewusster. Alles präsentiert sich wesentlich schauriger, mit einem leichten Anflug von Horror. Nichtsdestotrotz möchte ich nicht von einem Horrorfilm sprechen, vielmehr gibt es eine generell düstere Stimmung und nur wenige wirkliche Jumpscares. Brutalität wird deutlicher gezeigt, dennoch hält der Regisseur – zum Glück – bei etwaigen rituellen Morden oder dem Aussaugen des Lebens durch die Mumie nicht voll auf die Szene drauf. Tom Cruise scheint die perfekte Wahl für die Rolle des charmanten, durchtriebenen Langfingers zu sein und Annabelle Wallis gibt in jeder Hinsicht eine gute Partnerin ab. Bei Russell Crowes Besetzung von Dr Henry Jekyll bin ich gespalten – ähnlich wie die Figur selbst -, denn der Name ist nicht rein zufällig gewählt. Vielmehr ist die Gestalt tatsächlich der Protagonist von Jekyll und Hyde, diese Figur werden wir noch häufiger im Dark Universe sehen. Er führt die geheime Organisation Prodigium an, die das Böse auf der Welt auslöschen und kontrollieren möchte. Eine Rolle, die es auch in den nächsten Filmen so noch geben soll. Crowe wirkt für mich in dieser Rolle etwas verloren und unglaubwürdig – gerade im Hinblick auf weitere Einsätze wäre ich ich hier, überraschenderweise, über eine andere Besetzung glücklicher gewesen.

Rein optisch gab sich die Produktion sehr viel Mühe, es gibt sehr wenig Raum für Kritik. Die Mumie selbst – bzw. das Monster, das aus ihr entsteht – ist sensationell visuell umgesetzt. Im Vordergrund steht nicht die ewige Hatz nach neuem Gigantismus, sondern vielmehr die Liebe zum Detail. So besitzt das mystische Monster je Auge zwei Pupillen und die ganze Haut ist von Tätowierungen übersäht. Auch ansonsten sind die Sets sehr schön gestaltet und verfügen über sehr viele Requisiten und Kulissen. Der Film vermag es über die komplette Spieldauer von fast zwei Stunden fast immer, sich sehr gut an einer schmalen Grenze zu bewegen. Sei es in Sachen Horror, oder aber auch in Sachen Humor oder gar der Darstellung von Nacktheit. Sowohl die Mumie als auch Tom Cruise sehen wir häufiger völlig entblösst – durch geschickten Einsatz der Kameraperspektive sowie Requisiten werden die primären Geschlechtsmerkmale immer überdeckt. Selbst bei der hübschen Jenny schafft es der Regisseur, trotz einer möglichen „Wet T-Shirt Contest“ Szene, das Hauptaugenmerk gekonnt auf die Handlung und nicht auf den Körper der Darstellerin zu legen. Schön, dass man sich hier keiner billigen „Sex Sells“ Mechanismen bedient hat.

Das Reboot von „Die Mumie“ ist durchwegs gelungen und hebt den alten Horror-Klassiker gekonnt in eine neue, moderne Zeit. Trotz Einsatz von viel Animationstechnik und 3D Effekten bleibt sich die Produktion jederzeit seiner Wurzeln bewusst und setzt diese eher unterstützend ein. Die Story ist nicht oscarverdächtig, dennoch ist der Film – auch aufgrund einiger humoriger Stellen – zu jeder Zeit unterhaltsam und besitzt eigentlich keine Längen. So ist der Film auch für Nicht-Horror-Fans bestimmt unterhaltsam, aufgrund der Darstellung aber erst bei Kindern ab 12 ein Film für die ganze Familie.

Jan Gruber

Podcaster, Blogger, Gamer, Switcher, Sportler – Unser Geek aus Wien

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