Vor acht Jahren stand an dieser Stelle ein Vergleich mit fünf Mail-Apps. Zwei davon sind heute kaum noch eine Empfehlung, eine ist teurer geworden als ein Netflix-Abo und der Rest hat sich so stark verändert, dass ein Update nicht mehr reicht. Also machen wir das Ganze neu.
Und ehrlich: 2026 ist ein komisches Jahr für E-Mail. Fast jede App hat inzwischen eine KI eingebaut, fast jede App kostet inzwischen ein Abo und einige der spannendsten Neuzugänge der letzten Jahre sind schon wieder weg. Notion Mail zum Beispiel wird am 22. September 2026 abgeschaltet, nach gerade mal 17 Monaten. Ausgerechnet weil die meisten Nutzerinnen und Nutzer ihr Postfach gar nicht mehr selber öffnen, sondern von einem Agenten abarbeiten lassen.
Genau deshalb schaue ich mir hier nicht nur an, welche App die meisten Knöpfe hat. Sondern auch, welche in drei Jahren wahrscheinlich noch da ist.
Anmerkung zu den Screenshots: Wie schon in der Urfassung dieses Beitrags verzichte ich auf eigene Screenshots meines Postfachs und nutze das Bildmaterial der Hersteller. In einem Mail-Programm steht schlicht zu viel drin, was niemanden etwas angeht.
Du suchst einen Mail-Client für eine andere Plattform? Hier geht es zu den Übersichten für Android, iOS, Windows und Web-Mail-Clients.
Was sich seit dem letzten Update verändert hat
Inhaltsverzeichnis
Wer den alten Beitrag noch im Kopf hat, dem fallen vier grosse Verschiebungen auf.
Erstens: Das Abo hat gewonnen. 2018 hast du Airmail für rund 11 Euro gekauft und fertig. Heute kostet Airmail Pro 49 Dollar im Jahr. Spark war gratis, heute liegt der Plus-Tarif bei 99 Dollar im Jahr. Selbst MailMate, das jahrelang die klassische Einmallizenz verteidigt hat, ist Ende 2024 auf ein Quartalsabo umgestiegen. Wer 2018 eine Lizenz gekauft hat, zahlt heute im Zweifel jedes Jahr.
Zweitens: KI ist überall, aber selten gratis. Zusammenfassungen, Antwortvorschläge, automatische Priorisierung. Das steckt inzwischen in Apple Mail, Spark, Canary, Outlook und Superhuman. Der interessante Teil ist nicht mehr, ob eine App KI hat, sondern wo deine Mails dafür hingeschickt werden.
Drittens: Es gibt endlich richtig gute native Mac-Apps. Mimestream ist von zwei ehemaligen Apple-Mail-Entwicklern gebaut und fühlt sich so an, wie sich ein Gmail-Client auf dem Mac immer hätte anfühlen sollen. Das war 2018 schlicht nicht verfügbar.
Viertens: Der Friedhof ist grösser geworden. Newton ist zweimal gestorben, Astro wurde von Slack gekauft und eingestellt, Dispatch ist Geschichte, Notion Mail geht im September. Meine Skepsis von damals gegenüber Gratis-Mail-Clients ohne erkennbares Geschäftsmodell hat sich leider ziemlich genau bestätigt.
Worauf du bei einer Mail-App achten solltest
Bevor du dich durch elf Apps liest, hier die fünf Fragen, die die Auswahl meistens schon entscheiden.
Wo liegen deine Zugangsdaten? Manche Clients verbinden sich direkt von deinem Mac aus mit dem Mailserver. Andere schicken deine Zugangsdaten auf ihre eigenen Server, weil sie dort Push-Benachrichtigungen, Snooze und Tracking verarbeiten. Beides funktioniert, aber du solltest wissen, was du wählst. Apple Mail, Mimestream, Thunderbird und MailMate bleiben lokal. Spark, Airmail und Superhuman brauchen die Cloud des Anbieters.
Was für ein Konto hast du? Bei reinem Gmail spielt Mimestream in einer eigenen Liga, weil es die echte Gmail-API nutzt und Labels, Filter und Kategorien nicht in IMAP-Ordner presst. Bei Exchange oder Microsoft 365 landest du fast zwangsläufig bei Outlook. Bei gemischten Konten sind Spark, Canary oder Apple Mail die pragmatische Wahl.
Wie viel bist du bereit zu zahlen? Die Spanne reicht 2026 von null bis knapp 400 Dollar im Jahr. Das ist kein Tippfehler.
Brauchst du das wirklich? Ganz ehrlich, für sehr viele Leute ist Apple Mail vollkommen ausreichend. Wenn du Mails liest, beantwortest und löschst, brauchst du keine 100-Dollar-App.
Wird es die App in drei Jahren noch geben? Die unromantischste, aber wichtigste Frage. Ein Mail-Client, der eingestellt wird, kostet dich einen Umzug, neue Regeln, neue Gewohnheiten.
Die Vergleichstabelle
| App | Kosten (Stand August 2026) | Konten | Zugangsdaten | KI | Stärke |
|---|---|---|---|---|---|
| Apple Mail | gratis | alle gängigen | lokal | Apple Intelligence | Immer da, tief integriert |
| Mimestream | 49.99 USD/Jahr | nur Gmail | lokal | nein | Beste Gmail-App für den Mac |
| Spark Mail | gratis, Plus 99 USD/Jahr | alle gängigen | Anbieter-Cloud | ja | Team-Features, smarte Inbox |
| Canary Mail | gratis, Growth 36 USD/Jahr, Pro+ 100 USD/Jahr | alle gängigen | lokal | ja | PGP und Sicherheit |
| Thunderbird | gratis | alle gängigen | lokal | nein | Open Source, alles einstellbar |
| Proton Mail | Desktop-App nur mit Abo | nur Proton | Ende-zu-Ende | nein | Verschlüsselung ab Werk |
| Microsoft Outlook | gratis, Copilot im M365-Abo | alle gängigen | Microsoft-Cloud | Copilot | Exchange und Kalender |
| Airmail | gratis (1 Konto), Pro 49 USD/Jahr | alle gängigen | Anbieter-Cloud | ja | Integrationen ohne Ende |
| MailMate | ca. 10 USD/Quartal | IMAP | lokal | nein | Tastatur-Power-User |
| HEY | 99 USD/Jahr | nur HEY | Anbieter | nein | Neues Denken über Postfächer |
| Superhuman | ab ca. 396 USD/Jahr | Gmail, Outlook | Anbieter-Cloud | ja | Geschwindigkeit für Vielschreiber |
Apple Mail
Der Platzhirsch ist immer noch der Platzhirsch, aber er hat in den letzten Jahren mehr dazugelernt als in den zehn Jahren davor.
Seit macOS Sequoia sortiert Mail eingehende Nachrichten automatisch in Kategorien wie Primär, Transaktionen, Updates und Werbung. Das ist die Funktion, für die Leute jahrelang zu Spark gewechselt sind, und sie ist jetzt gratis im System drin. Dazu kommen mit Apple Intelligence Zusammenfassungen langer Mails, Antwortvorschläge und die Schreibwerkzeuge zum Umformulieren und Korrigieren. Und weil das Ganze grösstenteils auf dem Gerät läuft, verlässt dein Mailinhalt deinen Mac gar nicht erst.

Mit macOS 26 Tahoe kam vor allem die optische Überarbeitung, mit macOS 27 verspricht Apple bessere Trefferqualität in der Suche, schnelleres Laden und ein Badge, das endlich stimmt. Klingt langweilig, ist aber genau das, worüber sich Leute im Alltag ärgern.
Dafür:
- Kostenlos und immer da
- Konten müssen nur einmal in den Systemeinstellungen eingerichtet werden
- Deine Mails bleiben auf deinem Gerät
- Maildrop für grosse Anhänge
- Kategorien und KI-Zusammenfassungen ohne Aufpreis
Dagegen:
- Kaum Integrationen in Drittdienste
- Suche war jahrelang eine Zumutung, wird erst jetzt besser
- Regeln und Filter sind im Vergleich zur Konkurrenz umständlich
- Apple Intelligence braucht einen Mac mit Apple Silicon
Für wen: Für alle, die einfach Mails lesen und beantworten wollen. Das sind mehr Leute, als die Marketingabteilungen der anderen Apps zugeben würden.
Mimestream
Wenn du Gmail nutzt und einen Mac hast, kannst du eigentlich hier aufhören zu lesen.
Mimestream ist von einem ehemaligen Apple-Mail-Entwickler gebaut und macht etwas, das erstaunlich selten ist: Statt Gmail über IMAP anzuzapfen und die Eigenheiten von Google in ein Ordnersystem zu quetschen, spricht die App direkt mit der Gmail-API. Labels bleiben Labels, Kategorien bleiben Kategorien, die Suche funktioniert mit Googles Suchsyntax, und Filter, die du im Webinterface angelegt hast, greifen genauso.

Dazu ist die App komplett in SwiftUI geschrieben und fühlt sich entsprechend nach Mac an. Keine verkleidete Webseite, kein Electron-Klotz, der 800 MB RAM frisst. Version 1.10 vom Mai 2026 hat ein übergreifendes Profil über alle Konten gebracht und private Push-Benachrichtigungen unter macOS 26 standardmässig aktiviert.
Dafür:
- Echte Gmail-Integration statt IMAP-Krücke
- Nativ, schnell, sparsam
- Deine Daten laufen nicht über einen Server des Herstellers
- Eine Lizenz für alle Google-Konten, bis fünf Geräte, Familie eingeschlossen
- 14 Tage testen ohne Kreditkarte
Dagegen:
- Nur Gmail und Google Workspace, sonst nichts
- Nur macOS, keine iPhone-App
- Nur im Abo, keine Einmallizenz
- Braucht macOS Sonoma oder neuer
Preis: 4.99 USD im Monat oder 49.99 USD im Jahr, direkt beim Hersteller und nicht über den App Store.
Für wen: Für alle mit Gmail oder Google Workspace, die ihre Mails auf dem Mac und nicht im Browser bearbeiten wollen. Für alle anderen leider gar nicht.
Spark Mail
Spark war 2018 die kostenlose Alternative mit der smarten Inbox. Heute ist Spark eine Produktivitätsplattform mit drei Preisstufen, und genau das ist Segen und Fluch zugleich.
Die guten Nachrichten zuerst: Die smarte Inbox funktioniert immer noch gut, das Snoozen und zeitversetzte Senden gehört zu den besten der Kategorie, und die Team-Funktionen sind ernsthaft brauchbar. Ihr könnt an einer Antwort gemeinsam schreiben, bevor sie rausgeht. Das kann sonst kaum jemand in dieser Preisklasse. Readdle, die Firma dahinter, ist seit Jahren am Markt und hat mit Documents und PDF Expert ein zweites Standbein. Die Frage nach dem Geschäftsmodell, die ich 2018 gestellt habe, hat sich damit beantwortet: Es ist jetzt ein Abo.

Die weniger gute Nachricht: Spark leitet deine Mails über eigene Server. Das braucht es für Push, Snooze und die KI-Funktionen, aber es heisst eben auch, dass deine Zugangsdaten nicht nur bei dir liegen. Für Spark AI wird Azure OpenAI genutzt, und Readdle betont, dass damit keine Modelle auf deinen Mails trainiert werden. Ob dir das reicht, musst du selber entscheiden.
Dafür:
- Brauchbare Gratisversion mit Basis-KI
- Smarte Inbox, Snooze, Senden mit Verzögerung
- Echte Team-Zusammenarbeit an Entwürfen
- Läuft auf Mac, Windows, iPhone und Android
Dagegen:
- Zugangsdaten und Mails laufen über Readdles Server
- Die Preistreppe ist happig geworden
- Die gute KI steckt in den teuren Stufen
Preis: Gratis-Tarif mit KI-Kontingent, Plus für 10 USD im Monat beziehungsweise 99 USD im Jahr, Pro für 20 USD im Monat beziehungsweise 199 USD im Jahr.
Für wen: Für kleine Teams und für Leute mit vielen verschiedenen Konten, die eine App auf allen Plattformen wollen.
Canary Mail
Canary war 2018 «die App mit PGP» und hat sich seither erstaunlich sauber weiterentwickelt, ohne den Fokus zu verlieren.
Der AI Copilot schreibt, antwortet und fasst zusammen, die Inbox priorisiert automatisch in Tabs. Was Canary dabei anders macht als die meisten: Die Firma sagt ausdrücklich, dass deine Mails nicht für KI-Training verwendet und nicht an Drittanbieter weitergegeben werden, und die KI-Funktionen lassen sich komplett abschalten. Canary ist HIPAA- und DSGVO-konform, was für Leute mit heiklen Daten ein echtes Argument ist.

Die Sicherheitsfunktionen stecken in der Pro+-Stufe: PGP-Verschlüsselung, SecureSend, Phishing- und Ransomware-Erkennung, Erkennung von Absender-Fälschungen und ein Schutz davor, dass du eine Mail an die falsche Person schickst. Letzteres ist eine dieser Funktionen, die man erst zu schätzen weiss, wenn es zu spät ist.
Der grösste Pluspunkt gegenüber der Konkurrenz: Es gibt beide Bezahlstufen auch als einmaligen Lifetime-Kauf. Das ist 2026 fast schon exotisch.
Dafür:
- Ehrlich brauchbare Gratisversion mit unbegrenzten Konten
- PGP und SecureSend in Pro+
- KI abschaltbar, kein Training auf deinen Mails
- Lifetime-Lizenz möglich
- Mac, Windows, iOS und Android mit einer Lizenz
Dagegen:
- Die Oberfläche wirkt an manchen Stellen immer noch überladen
- PGP nur in der teuersten Stufe
- Nur 7 Tage Testphase
Preis: Free für null, Growth für 36 USD im Jahr, Pro+ für 100 USD im Jahr. Beide bezahlten Stufen auch als Lifetime-Kauf.
Für wen: Für alle, denen Verschlüsselung und Datenschutz wirklich wichtig sind und die trotzdem moderne Funktionen wollen.
Thunderbird
Der Open-Source-Klassiker ist ein anderes Tier als noch vor ein paar Jahren. Die Oberfläche wurde mit dem Supernova-Umbau gründlich entstaubt, es gibt Kartenansichten, ein vernünftiges Konten-Setup und endlich ein Design, das nicht nach 2009 aussieht.

Spannend wird 2026 vor allem, was um Thunderbird herum entsteht. Das Team baut mit Thunderbird Pro eine eigene Dienstfamilie auf: Thundermail als E-Mail-Hosting, Appointment für Terminbuchungen und Send für Ende-zu-Ende-verschlüsselten Dateiversand. Die Beta-Einladungen für Thundermail sind im Mai 2026 rausgegangen, die Preise sollen laut Team bewusst moderat ausfallen. Parallel wird die Exchange-Unterstützung ausgebaut, was für Leute mit Firmenkonto der eigentliche Durchbruch wäre.
Dafür:
- Komplett gratis und Open Source
- Läuft auf Mac, Windows und Linux
- Alles lässt sich einstellen, Add-ons für fast alles
- Deine Daten bleiben bei dir
- Wird von einer Stiftung getragen, nicht von Risikokapital
Dagegen:
- Fühlt sich auf dem Mac nie ganz nach Mac an
- Keine KI-Funktionen im Client
- Ersteinrichtung braucht mehr Geduld als bei Apple Mail
Für wen: Für alle, die Kontrolle wollen, kein Abo zahlen möchten und mit einer Oberfläche leben können, die etwas nüchterner ist.
Proton Mail
Proton ist kein Mail-Client im klassischen Sinn, sondern ein verschlüsselter Maildienst mit eigener Desktop-App. Der Unterschied ist wichtig: Du kannst damit nicht dein bestehendes Gmail-Konto verwalten, du bekommst ein neues Postfach bei Proton.

Die Desktop-App für macOS gibt es seit 2024. Sie hängt sich sauber ins System ein, übernimmt Hell- und Dunkelmodus, zeigt native Benachrichtigungen und lässt dich zwischen Mail und Kalender wechseln. Ende-zu-Ende- und Zero-Access-Verschlüsselung sind Standard, im Security Center kannst du Hide-my-Email-Aliase anlegen, und der Easy-Switch-Importer holt Mails, Kontakte und Kalender aus deinem alten Konto.
Der Haken: Die Desktop-App ist zahlenden Abonnenten vorbehalten. Gratis-Nutzer bekommen 14 Tage.
Dafür:
- Verschlüsselung ab Werk, nicht als Zusatzfunktion
- Schweizer Anbieter mit entsprechendem Datenschutzrecht
- Aliase gegen Adresshandel
- Vernünftiger Umzugsassistent
Dagegen:
- Nur für Proton-Konten
- Desktop-App nur im Abo
- Wenig Komfortfunktionen im Vergleich zu Spark oder Canary
Für wen: Für alle, die Datenschutz nicht als Feature, sondern als Grundlage verstehen und bereit sind, dafür die Adresse zu wechseln.
Microsoft Outlook
Wenn dein Arbeitgeber Exchange oder Microsoft 365 nutzt, ist die Diskussion meistens vorbei, bevor sie beginnt.
Die gute Nachricht: Das neu gestaltete Outlook für Mac ist inzwischen für alle gratis im App Store zu haben, auch ohne Microsoft-365-Abo. Kalender, Kontakte und Mail in einem, dazu die Anbindung an Teams und OneDrive. Copilot ist tief eingebaut, verarbeitet mittlerweile über 30 Dateitypen bis 50 MB und bekommt ab Ende August 2026 ein abkoppelbares Chatfenster auch auf dem Mac.

Die weniger gute Nachricht: Der volle Copilot für Business kostet zusätzlich rund 30 Euro pro Nutzer und Monat obendrauf. Und die App fühlt sich auf dem Mac nach wie vor wie ein Gast an, nicht wie ein Einheimischer.
Dafür:
- Gratis im App Store
- Ohne Alternative bei Exchange und Microsoft 365
- Kalender, Kontakte und Aufgaben in einer App
- Copilot Chat in den meisten M365-Tarifen enthalten
Dagegen:
- Fühlt sich nicht wie eine Mac-App an
- Alles läuft über Microsofts Cloud
- Der interessante Teil von Copilot kostet extra
Für wen: Für Berufstätige mit Firmenkonto. Privat gibt es kaum einen Grund.
Airmail
Airmail war 2018 meine Empfehlung für alle, die alles verbinden wollen. Das gilt technisch immer noch, aber die Rahmenbedingungen haben sich verschoben.
Die Zahl der Integrationen ist nach wie vor beeindruckend. Kalender, Aufgaben-Apps, Cloudspeicher, Messenger, es gibt kaum einen Dienst, den Airmail nicht kennt. Markdown und HTML werden unterstützt, Einstellungen synchronisieren über iCloud, und die Entwicklung läuft weiter.

Was sich geändert hat: Aus der 11-Euro-App ist ein Abo geworden. Die Gratisversion lässt genau ein Konto zu, alles darüber braucht Airmail Pro für 9 USD im Monat oder 49 USD im Jahr. Und der alte Kritikpunkt bleibt: Airmail ist unübersichtlich. Wer sich nicht durch die Einstellungen kämpfen will, wird nicht glücklich. Dazu kommt, wie schon bei Spark, dass Zugangsdaten für die Push-Funktionen auf Servern des Anbieters landen.
Dafür:
- Immer noch die meisten Integrationen im Feld
- Fast jede Kleinigkeit lässt sich einstellen
- Synchronisation über iCloud
- Wird aktiv weiterentwickelt
Dagegen:
- Aus Kauf wurde Abo
- Gratisversion nur mit einem Konto
- Unübersichtlich, steile Lernkurve
- Zugangsdaten beim Anbieter
Für wen: Für Bastler, für die eine Mail selten das Ende, sondern meistens der Anfang einer Aufgabe ist.
MailMate
MailMate ist die App für Leute, die ihre Maus vermissen könnten, aber nicht würden.
Reines IMAP, keine Cloud dazwischen, Markdown zum Schreiben, Tastenkürzel für alles, virtuelle Ordner mit Suchbedingungen, die man sonst nur aus Datenbanken kennt. Wer sich einmal eingearbeitet hat, arbeitet damit schneller als mit jeder anderen Mac-Mail-App. Wer sich nicht einarbeitet, versteht nach fünf Minuten gar nichts mehr.
Zu beachten: Seit Dezember 2024 gibt es MailMate nur noch im Abo für rund 10 USD pro Quartal. Alte Einmallizenzen sind am 1. Juli 2025 in einen «Free Mode» gefallen, der zwar alle Funktionen behält, aber eine Kennzeile an ausgehende Mails hängt. Wenn du also irgendwann eine Lizenz gekauft hast: schau nach, was da unter deinen Mails steht.
Dafür:
- Kompromisslos schnell und lokal
- Markdown-Verfassen
- Virtuelle Ordner und Regeln auf Profi-Niveau
- Kein Server des Anbieters im Weg
Dagegen:
- Sehr steile Lernkurve
- Optisch spröde
- Umstellung auf Abo, alte Lizenzen entwertet
- Nur macOS
Für wen: Für Power-User, die viel Mail bearbeiten und dafür keine Maus anfassen wollen.
HEY
HEY von 37signals ist der Versuch, das Postfach neu zu denken, statt es nur schöner anzumalen.
Neue Absender landen im «Screener» und müssen erst von dir freigeschaltet werden. Newsletter kommen in einen separaten «Feed», Belege und Bestätigungen in ein «Paper Trail». Es gibt keine Ordner im klassischen Sinn, dafür Threads, die du als erledigt markierst. Tracking-Pixel werden geblockt und dir angezeigt, wer es versucht hat.

Der Preis ist gleichzeitig das Konzept: 99 USD im Jahr für eine @hey.com-Adresse mit vier oder mehr Zeichen. Kürzere Adressen kosten deutlich mehr, zwei Zeichen liegen bei 999 USD im Jahr. Du zahlst für den Dienst, nicht mit deinen Daten. Und du bist an HEY gebunden, denn eigene Konten kannst du nicht einbinden.
Dafür:
- Konsequentes, durchdachtes Konzept
- Tracking wird geblockt und sichtbar gemacht
- Klares Geschäftsmodell, kein Datenhandel
- Native Mac-App
Dagegen:
- Nur HEY-Adressen, keine bestehenden Konten
- 99 USD im Jahr für ein einzelnes Postfach
- Wer Ordner liebt, wird unglücklich
Für wen: Für alle, die ihr Mailverhalten wirklich ändern wollen und nicht nur eine hübschere Oberfläche suchen.
Superhuman
Der Vollständigkeit halber, weil die App in jedem englischsprachigen Vergleich ganz oben steht: Superhuman ist auf Geschwindigkeit gebaut. Tastatursteuerung für alles, geteiltes Postfach, sofortige Suche, Lesebestätigungen, KI-Entwürfe und CRM-Anbindung.
Seit der Übernahme durch Grammarly im Jahr 2025 ist die Preisgestaltung allerdings unfreundlich geworden. Der alte Starter-Tarif ist für Neukunden weg, der Zugang zum Postfach hängt jetzt am Business-Plan für rund 33 USD im Monat bei Jahreszahlung, also knapp 400 USD im Jahr. Dafür bekommst du eine wirklich schnelle App und eine Zielgruppe, die das im Vertrieb wieder hereinholt.
Für wen: Für Leute, die mit E-Mail Geld verdienen und deren Stundensatz das rechtfertigt. Für alle anderen: nein.
Vorsicht bei diesen Apps
Notion Mail
Notion Mail wird am 21. September 2026 abgeschaltet. Deine Mails sind sicher, weil sie ohnehin bei Gmail liegen, aber Entwürfe, geplante Sendungen, Textbausteine, Label-Regeln und eigene Ansichten musst du bis spätestens 21. September exportieren. Danach löscht Notion, was nicht gesichert ist.
Polymail
Polymail, damals in diesem Beitrag noch als Firmenlösung empfohlen, gibt es zwar noch, hat aber seit Jahren mit Sync-Problemen und Abstürzen zu kämpfen. Bei rund 13 USD im Monat kann ich das guten Gewissens nicht mehr empfehlen.
Newton
Newton ist zweimal gestorben und wieder auferstanden. Ich habe der App seinerzeit einen eigenen Beitrag gewidmet, würde heute aber keine Arbeitsabläufe mehr darauf aufbauen.
Welche App passt zu dir?
| Deine Situation | Meine Empfehlung |
|---|---|
| Du willst einfach Mails lesen und beantworten | Apple Mail |
| Du nutzt Gmail und hast einen Mac | Mimestream |
| Du hast Konten bei fünf verschiedenen Anbietern | Spark oder Canary |
| Dir ist Verschlüsselung wichtig | Canary Pro+ oder Proton Mail |
| Du willst kein Abo, nie | Thunderbird oder Canary Lifetime |
| Dein Arbeitgeber nutzt Exchange | Outlook |
| Du willst alles mit allem verbinden | Airmail |
| Du bearbeitest 200 Mails am Tag mit der Tastatur | MailMate |
| Du willst dein Mailverhalten grundsätzlich ändern | HEY |
Fazit: E-Mail Apps unter macOS 2026
Der grösste Unterschied zu 2018 ist, dass Apple Mail aufgeholt hat. Kategorien, Zusammenfassungen, Schreibhilfen. Genau die Funktionen, für die Leute jahrelang zu Drittanbietern gewechselt sind, gibt es jetzt gratis im System, und deine Mails bleiben dabei auf deinem Mac. Für sehr viele Leute ist die Frage damit beantwortet.
Wer mehr will, sollte zuerst schauen, welches Konto er eigentlich hat. Bei Gmail ist Mimestream die klarste Empfehlung im ganzen Feld, weil es als einziges wirklich versteht, wie Gmail funktioniert. Bei gemischten Konten sind Spark und Canary die vernünftigen Kandidaten, wobei Canary in Sachen Datenschutz die bessere Antwort hat und mit der Lifetime-Lizenz das fairere Angebot macht.
Thunderbird bleibt die Wahl für alle, die kein Abo wollen und lieber selber schrauben. Und Proton für alle, die bereit sind, für Verschlüsselung die Adresse zu wechseln.
Was ich mir 2018 nicht hätte träumen lassen: Dass die spannendste Frage bei einer Mail-App irgendwann lautet, wohin sie deine Nachrichten schickt, damit eine KI sie zusammenfassen kann. Wenn du dir bei einer App unsicher bist, schau in den Einstellungen nach, ob sich die KI-Funktionen abschalten lassen. Wenn nicht, ist das eine Antwort.
Ich selber bin übrigens seit Jahren bei Fastmail gelandet und lese meine Mails meistens in Apple Mail. Manchmal ist die langweilige Antwort einfach die richtige.
Welche App nutzt du? Schreib es mir in die Kommentare, ich bin ehrlich neugierig, ob noch jemand bei Airmail geblieben ist.
FAQ zu E-Mail Apps macOS
Welche E-Mail App ist die beste für den Mac?
Für die meisten Leute ist Apple Mail die beste Wahl, weil es gratis ist, tief im System steckt und seit macOS Sequoia automatische Kategorien und KI-Zusammenfassungen mitbringt. Wer Gmail nutzt, fährt mit Mimestream für 49.99 USD im Jahr besser, weil die App direkt mit der Gmail-API arbeitet.
Gibt es 2026 noch gute kostenlose E-Mail Apps für macOS?
Ja. Apple Mail ist vollständig gratis, Thunderbird ist Open Source und kostenlos, Microsoft Outlook für Mac ist inzwischen ohne Abo im App Store erhältlich, und Canary Mail sowie Spark bieten brauchbare Gratisversionen mit eingeschränkten Funktionen.
Welche Mail-App ist die sicherste für den Mac?
Für Ende-zu-Ende-Verschlüsselung ist Proton Mail die konsequenteste Lösung, allerdings nur mit einer Proton-Adresse. Wenn du bestehende Konten behalten willst, bietet Canary Mail in der Pro+-Stufe PGP-Verschlüsselung, Phishing-Erkennung und Schutz vor Fehlversand. Apple Mail und Mimestream verarbeiten deine Mails lokal auf dem Gerät.
Speichern Mail-Apps meine Zugangsdaten auf fremden Servern?
Einige ja. Spark, Airmail und Superhuman brauchen Server des Anbieters für Push-Benachrichtigungen, Snooze und KI-Funktionen. Apple Mail, Mimestream, Thunderbird, Canary und MailMate verbinden sich direkt von deinem Mac aus mit dem Mailserver.
Wird Notion Mail eingestellt?
Ja. Notion hat am 25. Juni 2026 angekündigt, Notion Mail am 22. September 2026 abzuschalten. Deine Mails bleiben bei Gmail erhalten, aber Entwürfe, geplante Sendungen, Textbausteine und eigene Ansichten musst du bis zum 21. September 2026 exportieren.
Was kostet eine gute Mail-App für den Mac?
Die Spanne ist gross. Canary Growth liegt bei 36 USD im Jahr, Mimestream und Airmail Pro bei 49 USD im Jahr, Spark Plus und HEY bei 99 USD im Jahr, Superhuman bei rund 396 USD im Jahr. Apple Mail und Thunderbird kosten nichts.
Lohnt sich der Wechsel von Apple Mail zu einer Drittanbieter-App?
Nur wenn du ein konkretes Problem hast, das Apple Mail nicht löst. Typische Gründe sind reines Gmail mit vielen Labels, Zusammenarbeit im Team an Entwürfen, PGP-Verschlüsselung oder sehr grosse Mailmengen. Wenn du keinen dieser Gründe hast, spar dir das Geld.
Originalbeitrag von Jan – 27. April 2018


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